Hennef/Friedrichshafen, 06. März - In Berlin werden am kommenden Montag die Sepp-Herberger-Urkunden verliehen. 13 Preisträger erhalten in den Kategorien Behindertenfußball, Resozialisierung, Schule und Verein, Fußball Digital sowie Sozialwerk Geldpreise in Gesamthöhe von 45.000 Euro. Platz eins in der Kategorie Fußball Digital belegt der VfB Friedrichshafen aus dem Württembergischen Fußball-Verband. Der Journalist Rainer Kalb stellt den Sieger vor.

Die Volleyballer des VfB Friedrichshafen sind bundesweit ein Begriff und gehören seit Jahren zum Besten, was der deutsche Volleyballsport zu bieten hat. Dass aber die Stadt am Bodensee auch über eine erfolgreiche Fußballabteilung verfügt, wissen bislang nur wenige. Aber halt: Das stimmt so nicht, denn im Bereich der sozialen Medien sind die Fußballer des VfB unglaublich kreativ und haben sich innerhalb relativ kurzer Zeit einen Namen gemacht. Das Besondere: Das Budget für diesen Bereich, der vom stellvertretenden Abteilungsleiter Kristijan Jakic verantwortet wird, beträgt: 0,- Euro! In einem Wort: Null.

„Wir stehen für Nachhaltigkeit, Vielfalt und sozialen Frieden“, sagt Jakic, der beruflich im Datenschutzumfeld tätig ist. „Wir wollen unsere erfolgreichen Aktivitäten in den sozialen Medien nutzen, um noch mehr für unseren Verein tun zu können.“ Zurzeit zählt der VfB 13 Jugendmannschaften in seiner Fußballabteilung, 250 Kinder werden hier fußballerisch betreut.

Über 22.000 Abonnenten auf YouTube

Vor fünf Jahren wurde festgestellt, dass die Fußballabteilung in den lokalen Medien am malerischen Bodensee keine große Rolle spielt. Die Volleyballer als Aushängeschild des Vereins waren und sind hier natürlich führend. Aber Jakic hatte eine Idee, denn „Social Media“ bot die Chance, auf die Fußballabteilung aufmerksam zu machen. Die Facebook-Seite wurde aufpoliert, hinzu kamen ein Instagram-Account und ein YouTube-Kanal. Jakic ist ehrenamtlich für den VfB in diesem Bereich tätig und hat den Klub in Sachen „Digitales“ zu einem der erfolgreichsten Breitenfußballvereine gemacht.

Der YouTube-Kanal hat inzwischen über 22.000 Abonnenten (Stand Mitte Februar 2020) und damit ungefähr genauso viele Dauernutzer wie mancher Fußball-Bundesligist. Selbst Vergleiche mit Branchenkrösus und Rekordmeister Bayern München bei den Klickzahlen muss Friedrichshafen nicht scheuen. Ein erstaunliches Ergebnis.

YouTube-Video verzeichnete eine Million Aufrufe

Im Rahmen des Vereinsengagements muss der MTU Hallencup, ein internationales U15-Hallenturnier des VfB, hervorgehoben werden. Im Jahr 2017 erzielte „ein mit einfachsten Mitteln selbstproduziertes Video über den MTU Hallencup“ (O-Ton Jakic) über elf Millionen „Views“. Und diese Erfolge bei den Reichweiten auf den Social-Media-Kanälen sorgten 2019 erstmals dafür, dass Mehreinnahmen generiert wurden. Die Veranstaltung im Dezember 2019 in der ZF Arena war erstmalig am Finaltag mit 4.000 Zuschauern ausverkauft, insgesamt kamen 7.500 Besucher.

Das Erstaunliche: Im Rahmen der Nachberichterstattung verzeichnete der VfB mit seinem YouTube-Video über den MTU Hallencup eine Million Aufrufe. Das macht den Fußballverein auch für die Sponsoren interessanter. Jakic hofft, dass die Sponsorensuche in Zukunft noch erfolgreicher verläuft. Angesichts der Reichweiten kann berechtigterweise auf höhere Sponsoreneinnahmen gehofft werden. Denn auch überregionale Konzerne sind inzwischen auf die Fußballabteilung des VfB Friedrichshafen aufmerksam geworden. „Ich habe von Beginn an gemerkt, dass mit relativ einfachen Mitteln im digitalen Bereich viel bewirkt werden kann“, betont Jakic. Der Verein will dabei die Themen „soziale Gerechtigkeit und Vielfalt“ in den Fokus rücken. Dabei liegt der Schwerpunkt immer wieder auf unterschiedlichen Themenkomplexen. So zum Beispiel das Thema Trainer „als sympathische Ansprechpartner“ oder die Schiedsrichter, ohne die es im Fußball nun einmal nicht geht und die immer wieder vor schwierigen Aufgaben stehen.

Über soziale Medien Herausforderungen lösen

Dennoch hat auch der VfB Friedrichshafen mit aktuellen Herausforderungen zu kämpfen. „Wir haben große Probleme, die Kinder, die gerne bei uns Fußball spielen wollen, aufzunehmen. Bis zu 100 Kinder im Alter von acht oder neun Jahren müssen wir jedes Jahr zurückweisen, weil wir in punkto Anzahl der Trainer, Plätze und Infrastruktur nicht entsprechend aufgestellt sind“, so Jakic. Herausforderungen, über die auch Klubs aus anderen Teilen der Republik berichten.

Das Social-Media-Team besteht aktuell aus vier „Ehrenamtlichen“. Hierbei handelt es sich um bisher passive Vereinsmitglieder und aktive VfB-Fußballer, die gezielt für diese ehrenamtliche Tätigkeit gewonnen werden konnten. „Täglich wird eine Stunde in die Social-Media-Aktivitäten des Vereins investiert“, umreißt Jakic das Betätigungsfeld. Dabei geht der „Content“ über die normale Ergebnisberichterstattung hinaus, die allerdings natürlich auch wichtiger Bestandteil des Kommunikationsplans ist. Deshalb ist in jeder Mannschaft ein Social-Media-Ansprechpartner zuständig.

Den mit 5.000 Euro dotierten ersten Platz in der Kategorie Fußball Digital, den die Sepp-Herberger-Stiftung gemeinsam mit dem Softwarekonzern SAP auslobt, belegt mit seinem bemerkenswerten Engagement der VfB Friedrichshafen. Es folgen auf den Plätzen zwei und drei der TSV Algesdorf (Niedersächsischer Fußballverband) und der 1. FC Ersingen (Badischer Fußballverband).


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