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Lothar Matthäus über DFB-Sieg gegen Elfenbeinküste, WM-Euphorie in Deutschland & Deniz Undav

Lothar Matthäus
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Unterföhring, 21.06.2026

Lothar Matthäus zeigt sich in seiner Kolumne stolz auf die deutsche Nationalmannschaft nach dem 2:1-Sieg über die Elfenbeinküste. Der Sky Sport Experte bescheinigt dem DFB-Team Charakter, Wille und Leidenschaft.


Der Rekordnationalspieler spricht zudem über Deniz Undav, lobt die Einwechslungen von Julian Nagelsmann und erklärt, warum er im letzten Gruppenspiel gegen Ecuador nicht zu viel rotieren würde.


Aus meiner Sicht hat sich nicht viel verändert - außer, dass man, so wie wir in 1990, bereits nach dem zweiten Spiel als Gruppenerster feststeht. Von dieser Seite her ist es ein gutes Gefühl.


Wir können stolz sein auf die Mannschaft. Einerseits ein klares 7:1 - da hat man gestern gesehen durch Ecuador, dass es doch nicht so selbstverständlich ist wie man angenommen hat. Zweitens muss man sagen, dass die Mannschaft den Charakter, den Willen und die Leidenschaft gezeigt hat. Man hat nicht nur ein 0:1 gedreht, sondern in den letzten zehn, 15 Minuten - auch durch die Einwechslungen - noch auf den Sieg drauflosgespielt.


Das ist uns ganz sicher nicht über 90 Minuten gelungen - in der Phase vor der Pause nicht, in der wir 0:1 in Rückstand geraten sind, und vor allem in den ersten 15 Minuten der zweiten Halbzeit nicht. Die haben einem schon Sorgen bereitet. Da ist die Mannschaft gar nicht selbstbewusst aufgetreten. Gar keine Sicherheit, viele Ballverluste, zu viel vom Gegner zugelassen. Das muss man natürlich verändern, verbessern.


Emotional wichtiger Sieg für Deutschland


Emotional war es ein ganz wichtiger Sieg - nicht nur für die Mannschaft, sondern auch für das Land Deutschland. Für die Fußball-Stimmung ist ein dramatischer Last-Minute-Sieg gegen die Elfenbeinküste vielleicht besser als ein klares 3:0. Man hat aber gesehen: Wir müssen arbeiten, wir müssen fit sein. Die Gegner werden nicht einfacher.


Die Elfenbeinküste war ein unangenehmer Gegner, qualitativ hochwertig. Gute Einzelspieler, gute Geschwindigkeit, Robustheit. Und das wird uns ab jetzt nur noch erwarten. Ich gehe nicht davon aus, dass wir noch einmal so ein einfaches Spiel haben werden wie Curacao.


Ich lasse mich zum Beispiel auch nicht vom Ecuador-Ergebnis täuschen. Sie haben noch theoretische Chance auf das Weiterkommen, müssten gegen Deutschland gewinnen und wohl die Ergebnisse der anderen Gruppendritten abwarten. Aber die Chance werden sie versuchen zu nutzen.


Und Deutschland will als Gruppenerster natürlich möglichst alle Punkte holen. Die Mannschaft wird dieses letzte Gruppenspiel auch gewinnen wollen - alleine, um die Atmosphäre hochzuhalten, die Spannung hochzuhalten.


Nagelsmann kann sich auf die Schulter klopfen


Denn es warten nur noch Hochkaräter. Die Asiaten haben aufgeholt - siehe Japan und Südkorea. Die Afrikaner haben aufgeholt - siehe das Spiel gestern gegen die Elfenbeinküste. Es ist alles enger zusammengerückt. Deswegen ist immer hohe Konzentration und voller Fokus in den Spielen gefordert.


In den letzten 15 Minuten hat die deutsche Mannschaft Mentalität gezeigt, dominant und druckvoll nach vorne gespielt, den Gegner gestresst und unter Druck gesetzt. Da hat man auch körperlich ordentlich dagegengehalten. Mit Jamie Leweling für Leroy Sane und Deniz Undav vorne rein waren auch noch Einwechslungen dabei, für die sich Julian Nagelsmann auf die Schulter klopfen kann. Aber das ist ja nichts Neues, wenn Undav reinkommt, dass er abliefert.


Undav will natürlich kein Joker sein


Undav will natürlich kein Joker sein. Das will keiner. Jeder Spieler sieht es im Endeffekt als sein Ziel an, sich dem Trainer anzubieten. Und das hat Undav gemacht. Das hat Leweling gemacht. Das hat Nadiem Amiri gemacht. Das hat auch Antonio Rüdiger gemacht.


Da sieht man, dass die Spieler aus der vermeintlich zweiten Reihe bereit sind. Sie haben die Qualität, weswegen sie auch mitgenommen wurden. Das hat alles funktioniert und das ist eine tolle Erkenntnis für den Trainer. Ich glaube schon, dass man Undav jetzt von Anfang an bringen müsste - was die Leistung betrifft, was die Quote betrifft.


Keine Experimente gegen Ecuador


Wenn man jetzt aber denkt, man könne ein bisschen mehr rotieren und mal Ersatzspieler spielen lassen, weil man Gruppenerster ist - nein. Du kannst mal einen angeschlagenen Spieler weglassen. Du kannst mal einen Spieler weglassen, der vielleicht eine Überbelastung hat. Aber die Zeit zwischen den Spielen - auch später in der K.o.-Runde - ist so groß, dass du dich erholen kannst.


Man sollte einen Rhythmus und Kern beibehalten. Jetzt im Spiel gegen Ecuador keine Experimente machen. Das wäre der falsche Ansatz. Veränderungen wird es geben, da bin ich mir sicher. Aber nicht nur, weil wir qualifiziert sind, sondern auch aufgrund der Leistungen des ein oder anderen Spielers.


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