Nagelsmann richtet den Blick auf die WM: „Das Wichtige ist das Turnier an sich“ - Völler zu seinen WM-Erwartungen: „Wollen unsere Fans in Deutschland nicht enttäuschen“ - Ullrich sieht in U17-Mädchen die Zukunft: „Waren ein paar Charaktere dabei, die das Zeug haben, sich durchzusetzen“
Berlin, 22.05.2024
Die wichtigsten Stimmen rund um den Sendestart von DFB.TV am Vorabend des DFB-Pokalfinales der Männer in Berlin.
Julian Nagelsmann (Bundestrainer) ...
… zum Ausfall von Manuel Neuer im DFB-Pokalfinale: „Klar, ein Spiel weniger Rhythmus, aber bei der Erfahrung, die er im Fußball hat, ist das gar kein Problem. Am Ende war es eine sehr gute Kommunikation zwischen uns und Bayern. Wir haben zusammen überlegt, was die Chancen und das Risiko dieses Spiels sind. Durch die kleine muskuläre Verhärtung und Blessur ist es besser, dass er morgen nicht spielt. Aus Bayern Münchens Sicht wäre es top, wenn er im Tor ist. Jonas ist auch ein toller Torwart, der ein super Spiel machen wird. Aus Nationalmannschafts-Sicht ist es gut, dass er noch ein paar Tage Ruhe bekommt und dann top vorbereitet bei uns starten kann. Wir hätten nichts davon, wenn er morgen ein sehr gutes Spiel macht – ob er den Titel holt oder nicht, das liegt am Rest der Mannschaft und dem VfB Stuttgart, und dann wäre er vielleicht nicht ganz fit für die Nationalmannschaft. So ist es eine sehr gute Kommunikation und eine gute Entscheidung gewesen. Er hat noch ein paar Tage mehr Luft und dann werden wir gemeinsam ein gutes Turnier starten.“
… zu seinem Schlaf in Nacht nach der WM-Kadernominierung: „Ja, auf jeden Fall war der Schlaf besser als in der finalen Nacht davor. Die zwei, drei Wochen vor der Nominierung sind schon sehr intensiv, weil du versuchst, möglichst allen gerecht zu werden. Das ist intensiv und auch emotional aufwühlend. Die Kadernominierung ist wichtig, aber das Wichtige ist dann schon das Turnier an sich. Dann brauchst du auch einen klaren Kopf. Deswegen ist es gut, dass die Nominierung jetzt vorbei ist. Jeder weiß, woran er ist und wir können angreifen, um ein gutes Turnier zu spielen.“
… zum Umgang mit Meinungen von außen: „Ich versuche generell, wenn man Meinungen von außen hört, von Experten oder Menschen, die eine große Erfahrung in dem Sport haben, die Dinge schon mal zu reflektieren. Was meint er damit? Hat er vielleicht recht? Hat er nicht recht? Am Ende kannst du nicht alle Meinungen mit einbeziehen, sonst wirst du total unruhig und kommst nie auf deine eigene Linie und deinen eigenen Weg. Aber es ist schon ratsam, wenn Menschen mit großer Erfahrung, mit Titeln und Spielen als Spieler oder Trainer an der Seitenlinie gewisse Dinge sagen. Dann höre ich mir das schon an und überlege, ob er recht hat, und kann auch Dinge mit einbeziehen. Aber irgendwann, schon so vier, fünf Tage vor der Nominierung, mache ich mein Handy mehr oder weniger aus, zumindest was Nachrichten über unsere Mannschaft angeht, weil du sonst einfach kirre wirst.“
… zum emotionalen Nominierungsvideo: „Ich glaube, es ist berührend für die Spieler selbst, die Szenen zu sehen, die Kinderbilder zu sehen, wie sie angefangen haben, Fußball zu spielen und wo sie jetzt gelandet sind, verdientermaßen. Es ist emotional für mich persönlich, aber ich glaube auch für alle Fans, die Spieler aus einer anderen Perspektive zu sehen und in Kurzform ihren Weg zu sehen. Es sind schöne Bilder. Ich weiß noch, als ich es das erste Mal gesehen habe, habe ich auch ein paar Tränen verdrückt, weil es schon berührend ist. Und man sich natürlich super freut, dass die Spieler den Weg genommen haben und jetzt eine WM spielen dürfen.“
… zur persönlichen Bedeutung der Videobotschaften: „Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen, weil das Video von mir mich auch extrem berührt hat. Ich habe auch Tränen verdrückt. Wenn die Kinder sprechen, die Frau spricht, die Mama, die Geschwister, ist es super emotional, weil du merkst, dass alle deinen Rücken stärken. Du spürst, dass deine Familie dabei ist, auch wenn sie nicht immer vor Ort sein kann.“
… zur Zusammenstellung des 26er-Kaders: „Das Wichtigste ist am Anfang schon, dass alle sich sportlich qualifizieren und sportlich in der Lage sind, uns einen Mehrwert zu bieten. Aber dann ist entscheidend, dass du auch ein bisschen guckst: Wie hat die Gruppe in den letzten zweieinhalb, drei Jahren funktioniert? Wer hat gut zusammengepasst? Wer bleibt beim Abendessen auch mal ein bisschen länger sitzen und geht nicht nur direkt aufs Zimmer? Wer kann sich vielleicht auch unterhalten und entwickelt so ein Gen, für den Nebenmann alles zu geben? Das muss am Ende schon eine Art Familie sein. Jeder muss sich seiner Rolle bewusst sein. Jeder muss die Qualitäten haben, sich einzugliedern. Jeder muss aber auch die Qualitäten haben, ein Spiel von Beginn an gut zu gestalten. Es ist total vielfältig, total komplex. Du wirst nicht immer 26 Spieler haben, die alle immer auf einem Top-Niveau performen. Die haben alle auch Schwankungen, weil es Menschen sind.“
… zu besonders schönen Reaktionen auf die Nominierung: „Tatsächlich ist es ganz unterschiedlich. Manche sind total perplex und sagen nichts mehr, sodass ich immer denke, vielleicht ist das Netz weg oder der Spieler hört mich nicht. Nadiem war schon sehr besonders, weil er einen relativ späten Anruf bekommen hat und nicht mehr damit gerechnet hat, dass er dabei ist. Er hat extrem emotional reagiert. Auch Lenny hat super reagiert, der sich das vielleicht erträumt hat, aber nicht zwingend damit gerechnet hat.“
Rudi Völler (DFB-Sportdirektor) ...
… zur Bedeutung des DFB-Pokalfinals im Berliner Olympiastadion: „Das ist einfach außergewöhnlich. Ich genieße das hier schon seit einigen Jahren. Ich war auch selbst mit Bayer Leverkusen einige Male in anderer Funktion hier im Finale, leider haben wir dreimal verloren. Aber es ist eine Atmosphäre, die einfach traumhaft ist. Ich freue mich schon morgen auf die Stunde vor dem Spiel, die beiden Fankurven zu sehen, die sich sicherlich auch etwas einfallen lassen werden mit Choreografien. Es wird eine tolle Stimmung sein im Stadion und auch in der Stadt.“
… zur Favoritenrolle des FC Bayern: „Natürlich ist Bayern Favorit. Ich glaube, damit kann der VfB Stuttgart auch gut umgehen, weil es letztes Jahr total anders war. Gegen einen Zweitligisten ist es für einen Bundesligisten immer ein bisschen kompliziert, weil man viel zu verlieren hat. Diesmal haben sie diesen Druck nicht. Die Bayern sind in der Favoritenrolle, aber das ist für die Bayern auch normal.“
… zum WM-Kader von Julian Nagelsmann: „Absolut, der gefällt mir. Es waren sicher ein paar enge Entscheidungen dabei, die auch wehtun für den Bundestrainer, weil er sie treffen muss. Ich kenne das, ich habe das ja selbst mal vier Jahre gemacht. Das ist schwierig, weil manchmal zwischen zwei Spielern, ob im Sturm, im Mittelfeld oder in der Abwehr, wirklich Kleinigkeiten entscheiden. Julian hat das unglaublich gut gemacht, auch mit allen Spielern zu telefonieren. Mit denen, die dabei sind, ist es einfach zu telefonieren. Mit denen, die nicht dabei sind, sind es keine schönen Gespräche. Das tut einem ja auch leid. Aber das hat er sehr, sehr gut gemacht. Ich bin sehr zufrieden und hoffe, dass sich keiner mehr verletzt. Das ist immer die Basis dafür, dass wir eine gute WM spielen.“
… zur Zielsetzung für die WM: „Wir wollen unsere Fans in Deutschland nicht enttäuschen. Wir wollen uns gut verkaufen. Ich habe in den letzten Tagen bei vielen Interviews meine Lieblingsaussage gemacht: nicht zu sagen, wir werden jetzt auf jeden Fall Weltmeister, sondern wir werden eine Mannschaft auf dem Feld haben, die Julian gut einstellt und die schwer zu schlagen sein wird. Das ist meine Lieblingsaussage und das werden viele spüren.“
Heike Ullrich (DFB-Vizepräsidentin Frauen- und Mädchenfußball) ...
… zu möglichen künftigen A-Nationalspielerinnen: „Das ist ja der ältere U17-Jahrgang. Da waren sicherlich die einen oder anderen dabei, die es schaffen können, die das Zeug dazu haben, sich in der A-Mannschaft durchzusetzen. Es ist natürlich eine riesige Herausforderung, in drei Jahren schon da oben zu sein. Wir haben momentan auch auf A-Ebene eine gute Durchmischung in der Mannschaft, auch hier sind noch junge Spielerinnen dabei. Nichtsdestotrotz waren da schon Charaktere dabei, die vom Charakter her das Zeug dazu haben, sich durchzusetzen.“
… zur europäischen Entwicklung des FC Bayern: „Herzlichen Glückwunsch auch an die Bayern, dass sie ins Halbfinale gekommen sind und sich dann gegen Barca echt auch gut gebattelt haben. Aber sie waren halt den Tick momentan noch besser. Das ist aktuell so die Situation in Europa.“
… zum EM-Titel der U17-Juniorinnen: „Ich bin so froh, dass ich da war und das sehen konnte. Wir hätten vorher eigentlich schon das eine oder andere Tor machen können. Ich bin angekommen und habe sofort gemerkt: Dieses Team ist ein echtes Team. Hier gibt es nicht den Star, sondern dieses Team lebt davon, dass eine für die andere sich einsetzt, kämpft und macht. Nach dem Tor ist sie nicht zur Eckfahne gelaufen und hat irgendein Tänzchen für sich aufgeführt, sondern sofort zur Mannschaft und hat es gemeinsam mit der Bank gefeiert. Das zog sich durch dieses ganze Turnier. Wir haben England geschlagen, wir haben Spanien geschlagen, wir haben Frankreich geschlagen. Da kommt eine Generation nach, die weiß, wie Fußball gespielt wird und wie man als Team ein solches Turnier durchsteht.“
… zur Qualität des U17-Teams: „Die Mannschaft hat sich für die Frauen-WM in Marokko im Herbst qualifiziert. Tolle Spielerinnen, tolle Charaktere, auch schon super angenehme, spannende junge Frauen. Es war für mich sehr, sehr schön, dabei sein zu dürfen. Und feiern können sie auch noch – die haben die ganze Nacht durchgefeiert.“
… zur Doku über die Frauen-Nationalmannschaft: „Ich habe alle sechs Teile gesehen. Das war spannend. Ehrlich gesagt hatte ich total verdrängt, dass wir gegen Schweden 1:4 verloren haben. Das kam erst durch die Doku wieder hervor: Wir haben so hervorragend begonnen, führen 1:0 und lassen uns dann vier Tore einschenken. Das darf in einem solchen Turnier eigentlich nicht passieren. Die Doku zeigt auch, wie man sich aus einem solchen Tal, wirklich einem mentalen Tal, als Team wieder herauszieht. Das ist eine schöne Doku. Sie ist in meinen Augen sehr sehenswert, weil sie ganz viele Blickwinkel einnimmt. Es lohnt sich, alle sechs Teile anzuschauen, weil sie sehr unterschiedlich sind.“
Giovane Elber (Pokalbotschafter FC Bayern München) ...
… zur Favoritenrolle im Finale zwischen Bayern und Stuttgart: „Ich sage: 50:50. Man hat schon viel gehört, der FC Bayern sei ein ganz großer Favorit und gewinne morgen gegen den VfB Stuttgart. Ich bin nicht der Meinung, dass der FC Bayern ein großer Favorit ist. In einem Pokalfinale kann alles passieren. Es ist ein Spiel. Entscheidend ist, dass man auf den Punkt da ist und alles gibt, um das Ding zu gewinnen.“
… zur Rückkehr des FC Bayern nach Berlin: „Die Mannschaft ist voll fokussiert, hat tollen Fußball gespielt, eine tolle Saison. Aber auf der anderen Seite wissen wir auch, dass der VfB Stuttgart eine super Saison gespielt hat. Sie sind schon für die Champions League qualifiziert und können morgen frei aufspielen.“
Joachim Löw (Pokalbotschafter VfB Stuttgart) ...
… zur Anspannung als Trainer vor einem Finale: „Ein Trainer und die Spieler sind natürlich in einer gewissen Anspannung vor so einem Spiel. Ein Trainer hat den ganzen Tag sehr viel zu tun, überlegt sich viele Dinge, redet mit den Spielern, es gibt eine Sitzung. Die Anspannung wächst im Laufe des Tages. Wenn es losgeht, sind irgendwie alle froh.“
… zum Finale zwischen Bayern und Stuttgart: „Letztes Jahr war Stuttgart der klare Favorit gegen einen unterklassigen Verein. Da standen sie enorm unter Druck, so ein Spiel gewinnen zu müssen. Morgen ist es vielleicht ein bisschen einfacher. Im Finale spielt nicht immer nur die individuelle Qualität eine Rolle, sondern viele Emotionen, der innere Glaube an einen Sieg, die Bindung untereinander und wie man schwierige Situationen übersteht. Bayern hat eine Top-Saison gespielt und ist absolut Favorit. Aber in einem Finale kann sehr vieles passieren, wenn man selbst den Mut hat und mit Überzeugung in so ein Spiel geht.“
Holger Blask (DFB Geschäftsführer) ...
… zur Idee hinter DFB TV: „Der DFB steht für unglaublich viele verschiedene Geschichten im Fußball. Das beginnt mit dem DFB-Pokal, den wir dieses Wochenende in Berlin feiern und der auch heute das Programm hier bestimmt. Dazu kommt die Historie unserer Nationalmannschaften, die wir über Archivcontent aufleben lassen. Natürlich werden wir auch Geschichten aus den USA berichten, jetzt bei der anstehenden Weltmeisterschaft. Aber der eigentliche Schatz ist ein anderer und viel größer: Fußball und Geschichten des Fußballs, die es derzeit noch gar nicht gibt oder die verstreut auf verschiedenen Plattformen liegen. Diesen Geschichten wollen wir mit DFB.TV eine neue Heimat geben.“
… zur internationalen Wahrnehmung: „Wir sind relativ häufig Vorreiter für internationale Verbände, sicherlich auch aufgrund unserer Möglichkeiten und unserer Größe. International wurde schon verfolgt, dass wir diesen Schritt gehen. Viele haben gefragt: Was zeigt ihr denn da? Ihr habt doch großartige Partner, mit denen ihr eure Wettbewerbe und die Spiele der Nationalmannschaften vermarktet. Dann sage ich: Genau, das soll auch so bleiben. Aber wir können Themenfelder zeigen, die noch nicht so im Fokus der Öffentlichkeit stehen.“
… zum gesellschaftlichen Engagement des DFB: „Wir haben sehr viele Veranstaltungen und Themenfelder, die wir unter anderem mit den DFB-Stiftungen bespielen. Diese Inhalte können wir hoffentlich über DFB.TV einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machen. Ich glaube, es ist wertvoll, dieses Engagement auch zu zeigen.“
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