Unterföhring, 03.08.2026
Thorsten Fink traut Konstantinos Karetsas bei Borussia Dortmund eine große Karriere zu. Der Ex-Trainer des KRC Genk beschreibt den Griechen im exklusiven Interview mit skysport.de als klassischen Zehner mit außergewöhnlichem Spielwitz. Fink erklärt, was das Top-Talent besonders macht und warum der FC Bayern München unter Vincent Kompany beeindruckt.
skysport.de: Herr Fink, Sie sind seit Februar 2026 Trainer bei Samsunspor. Wie haben Sie sich beim Klub und in der Türkei generell eingelebt?
Thorsten Fink: Eigentlich ganz gut. Wir haben in der letzten Saison gute Ergebnisse erzielt, direkt in die Conference League eingestiegen. Hier arbeiten sehr nette Leute, es ist eine sehr nette Stadt. Die Menschen sind sehr höflich und respektvoll. Und gut essen kann man auch. (lacht) Die Spieler sind top. Natürlich haben wir jetzt den ein oder anderen verkauft. Das ist aber normal. Es ist ja nicht unbedingt so, dass das Ende der Fußballkarriere in Samsun liegt, sondern einige immer noch einen weiteren Sprung machen wollen. Das hat jetzt der ein oder andere gemacht.
Der Klub muss auch mal Spieler verkaufen, um weiterzuleben - obwohl wir auch einen Präsidenten haben, der ganz gerne investiert. Ich hatte mit dem Sportdirektor schon über zwei Jahre Kontakt, bevor Markus Gisdol hier hingekommen war. Es hat mir imponiert, dass man das weiterverfolgt hat, da irgendwo eine Philosophie hat. Und deswegen habe ich mich dazu entschlossen, in die Türkei zu gehen. Damals war ich noch nicht bereit. Aber bis jetzt habe ich es noch nicht bereut.
skysport.de: Zypern, Japan, Lettland - um nur einige Staaten zu nennen. War es schon immer Ihr Ziel, als Trainer verschiedene Länder und Kulturen kennenzulernen?
Fink: Nein, das war nicht unbedingt mein Ziel. Ich wollte eigentlich in Deutschland bleiben. Damals war ich aber 18 Monate ohne Job, hatte zwar unter anderem mit Eintracht Frankfurt geredet - aber das ist schon lange her, da waren ganz andere Verantwortliche da, das hat nicht geklappt.
Und dann habe ich meinen ersten Auslandsjob angenommen und so war ich auf dem Markt. Mir hat das Spaß gemacht, neue Leute kennenzulernen, Erfahrungen zu sammeln in anderen Ländern. Das macht mich ja nicht dümmer. Es ist immer so, dass man etwas mitnimmt, lernt und die Märkte danach kennt. Wenn man jetzt in Österreich, in der Schweiz, in Deutschland, in Belgien und in Japan war, dann sind das doch sehr interessante Märkte. Das hat mich immer wieder weitergebracht und zu einem besseren Trainer gemacht, würde ich jetzt mal sagen.
skysport.de: Vor dem Engagement bei Samsunspor haben Sie zweieinhalb Jahre in Belgien verbracht. Wie schätzen Sie das Niveau der dortigen Jupiler Pro League im internationalen Vergleich ein?
Fink: Die Jupiler Pro League ist bekannt dafür, dass die Ausbildung top ist - gerade bei Genk oder Brügge. Die Laufdaten sind ähnlich zu denen in der Bundesliga oder auch in England. Das ist das Wichtigste für die ganzen Vereine aus den Top-5-Ligen. Sie erwarten, dass die Spieler das Tempo auch bei denen mitgehen können und das können sie.
Deswegen ist der belgische Markt so interessant. Er lebt davon, Spieler zu verkaufen. Man traut sich einfach, junge Spieler einzusetzen und man weiß, dass man sie dann auch verkaufen kann. Es ist immer wieder interessant, für junge Spieler nach Belgien zu gehen, weil das so ein super Sprungbrett ist.
skysport.de: Ein solches Top-Talent ist Konstantinos Karetsas. Beim KRC Genk durften Sie ihn eineinhalb Jahre trainieren. Nun steht sein Wechsel zu Borussia Dortmund kurz bevor. Was macht den jungen Griechen so besonders?
Fink: Wenn er gute Laune hat oder den Rückhalt vom Trainer spürt, kann er sein Spiel genießen - und wenn man ihm die Freiheiten lässt, kann er ein Riesen-Fußballer werden. Natürlich muss man immer schauen, ob man in dem Alter das Ganze, was drumherum alles abläuft, auch verträgt. Man muss immer wieder auf dem Boden bleiben, das ist auch klar.
Aber fußballerisch ist er ein Spieler, der ein richtig klassischer Zehner ist, der die Bälle in die Tiefe spielen kann, selbst gefährlich wird mit einem guten Schuss und Spielwitz hat. Nicht umsonst stand er wieder unter den Top-100 beim Golden Boy Award. Er ist ein Spieler, der einfach Spaß macht, wenn man ihm seine Freiheiten gibt.
In der Nationalmannschaft spielt er oft auf der rechten Seite. Da kann er natürlich auch spielen. Er ist im offensiven Bereich variabel einsetzbar. Aber seine beste Position wird sicherlich auf der Zehn sein. Dortmund ist im klassischen Sinne ein Arbeiterklub. Er ist mehr so ein Zauberer. Da bin ich mal gespannt, ob das gut zusammenpasst. Aber, wenn die Leute ihn lassen, kann das sicherlich für Freude sorgen im Stadion.
skysport.de: Mit welchem Spieler würden Sie seine Art des Fußballs am ehesten vergleichen?
Fink: Das ist schwierig, immer wieder zu vergleichen. Er hat seinen eigenen Stil. Was soll ich sagen: Er ist ein kleiner Linksfuß, kurze Schritte, dribbelstark. Den Rest kann man sich selber denken. (lacht) Er ist sicherlich kein Ronaldo. Er ist vom Spielertyp her mehr wie ein guter Zehner, der etwas kleiner ist.
Man muss ihn da in Ruhe wachsen lassen, den Druck nicht zu hoch werden lassen. Man muss die Spieler behutsam aufbauen und nicht zu sehr hypen. Das wäre ein Fehler. Aber wir werden uns das anschauen. Die Trainer und Verantwortlichen sind erfahren genug, um mit solchen Jungs umzugehen. Das ist nicht das erste Mal, dass sie Talente kaufen.
skysport.de: Wie tickt er denn so, was ist er für ein Typ außerhalb des Platzes oder in der Kabine?
Fink: Er ist recht ruhig und bescheiden - auf dem Platz natürlich nicht. Da weiß er schon, was er kann. Er ist jetzt kein Sprachrohr, kein großer Spaßmacher oder irgendwas. Er ist ein guter Junge. Ich habe ihn jetzt auch schon ein paar Monate nicht gesehen. Es hat sich einiges getan um ihn. Man muss nur ganz einfach aufpassen, dass man niemanden verheizt in dem Alter. Es gab viele junge Spieler, die in dem Alter schon gehypt wurden und am Ende nie ihr Potenzial abrufen konnten.
skysport.de: Und was trauen Sie ihm beim BVB und in der Bundesliga zu?
Fink: Das wird man sehen. Der BVB wird sicherlich mit ihm arbeiten, gerade im körperlichen Bereich. Dortmund wird den ein oder anderen Ballbesitz haben. Er ist kein Spieler, der absolut gegen den Ball spielt. Er ist eher der Ballbesitzfußballer. Und da kann er stark werden. Ich gehe davon aus, dass zu 80 Prozent der BVB im Ballbesitz spielt. Gegen Bayern vielleicht nicht, aber die meisten Spiele und da wird er dann gut sein.
Gerade zu Hause wird er das Stadion mitnehmen mit dem ein oder anderen guten Pass oder guten Schuss. Einen guten Freistoß hat er auch. Die Zweikampfstärke muss er sich noch erarbeiten, aber ich denke, er wird das lernen - müssen.
skysport.de: Vielleicht können Karetsas und Dortmund ihren Ex-Klub FC Bayern München auch ein wenig ärgern. Wie bewerten Sie die bisherige Entwicklung des FCB unter Vincent Kompany?
Fink: Ist alles top. Kompany, wie er überhaupt das Ganze moderiert mit den Medien, immer wieder den Wind aus den Segeln nimmt, wenn irgendwas aufkommt, das macht er einfach super. Er gibt keine Angriffsfläche. Das ist das eine. Das andere ist natürlich: Sie spielen hervorragenden Fußball, der mir persönlich sehr gefällt.
Er hat die Mannschaft top hingekriegt und alle zu einer Einheit geformt im Klub. Und das ist sicherlich auch ein großer Verdienst von ihm. Das hat er hervorragend gemacht und deswegen sehe ich die Entwicklung vom FC Bayern außerordentlich positiv.
skysport.de: Wie gut stehen die Chancen, dass die Bayern in dieser Saison das Triple holen?
Fink: Bei Bayern sind die Chancen, dass sie das Double holen, immer hoch. Und wenn man die Champions League gewinnen will, da geht es am Ende um Kleinigkeiten. Da geht es um aktuelle Stärke, aktuelle Form, eine entscheidende Schiedsrichterentscheidung und so weiter. Man sieht das ja immer dann später, dann ist man auf einmal raus.
Aber die Möglichkeit, die Champions League zu gewinnen und das Triple zu gewinnen, haben sie sowieso. Da Druck zu machen, das muss man nicht. Wenn man in Paris ausscheidet oder so, dann ist das auch kein Drama. Man hat aber die Chance, vielleicht Paris oder eine andere Top-Mannschaft zu schlagen, weil sie die Stärke haben, die Klasse und auch den nötigen Zusammenhalt.
Das Interview führte Luca Sixtus.
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