Lothar Matthäus ordnet in seiner Sky Sport Kolumne die Antritts-PK von Jürgen Klopp als Bundestrainer ein und zieht einen Vergleich zu dessen Vorgänger Julian Nagelsmann
Bonn, 24.07.2026
Der Rekordnationalspieler erklärt, was er von den Personalien Marc Kosicke, Per Mertesacker und Sven Bender hält. Matthäus freut sich bereits auf Klopps erstes Spiel mit der Nationalmannschaft in den Niederlanden (live und exklusiv auf RTL).
So kennen wir Jürgen Klopp. Der neue Bundestrainer hat auf seiner Antritts-PK viel Motivierendes gesagt. Er hat an alles gedacht und war top vorbereitet.
Klopp freut sich auf die Aufgabe und hat die Türen für alle offengehalten. Er will den maximalen Erfolg. Maximaler Erfolg sind Titel, aber so weit sollten wir noch nicht denken. Wir sollten auch an die Entwicklung denken, auch das hat Klopp gesagt.
Klopp hat alles gesagt, was man von ihm erwartet hat. Jetzt kommt es darauf an, wie es umgesetzt wird. Trotz seiner Ausstrahlung, seiner Persönlichkeit und seiner Erfolge wird auch er an Ergebnissen gemessen.
Jürgen Klopp möchte mit der Nationalmannschaft Großes erreichen. Er möchte die Fans in Deutschland wieder positiv stimmen und Begeisterung im Land auslösen.
Die Kommunikation ist Klopps große Stärke
Klopp ist 20 Jahre älter als Julian Nagelsmann und er hat entsprechend mehr Erfahrung. Die Kommunikation ist Jürgens große Stärke, er sollte im Umgang mit den Spielern das eine oder andere besser machen als sein Vorgänger. Aber auch er darf nur mit elf Mann spielen, die einen deutschen Pass haben.
Es wird eine schwierige Aufgabe, aber ich habe vor zwei Wochen schon gesagt, dass ich unsere Spieler nicht so schlecht sehe, wie sie es selbst gemacht haben oder wie sie gemacht wurden. Ich sehe hohe Qualität, auch in den Nachwuchsmannschaften.
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Man hat in der Vergangenheit vielleicht das eine oder andere Talent liegenlassen, weil der letzte Bundestrainer teilweise auf andere Spieler gesetzt hat, die zwar nicht mehr so performt haben, aber die bei ihm ein gewisses Standing hatten.
Natürlich kann Klopp keine neuen Spieler erfinden, aber er wird sich so umschauen, dass er mit seinem Trainerteam alle im Blick hat. Dann wird er versuchen, eine Mannschaft zu formen, die uns wieder dahin führt, wo wir sie erwarten.
"Das wird Klopp nicht zulassen"
Es gehört zu unserer Gesellschaft, dass nicht nur über Berufliches berichtet wird. Man berichtet über vieles, je nachdem, was ein Trainer zulässt. Nagelsmann hat sehr viel zugelassen, das wird Klopp nicht tun. Er hat gesagt, dass er sich auf Fußball konzentriert und nicht auf Dinge, die sein Privatleben betreffen.
Der Bundestrainer wird zum ersten Mal deutlich. Jürgen Klopp kritisiert den Umgang der Presse mit Julian Nagelsmann und Thomas Tuchel.
Klopp hat auch betont, dass er nicht abhängig von der Nationalmannschaft ist. Er ist nicht abhängig von diesem Job oder von einer Abfindung, das hat er klar gesagt. Meiner Meinung nach gingen diese Worte auch ein bisschen in Richtung Nagelsmann.
Klopp hat gesagt: "Ich bin für Deutschland da, und wenn ihr mich nicht mehr braucht, bin ich eben nicht mehr da!" Das glaube ich ihm auch.
Gut, dass er Kosicke mit ins Boot nimmt
In seinem Team hat er Leute, die er seit Jahren kennt, von Marc Kosicke bis zu seinen Co-Trainern.
Kosicke und Klopp kennen sich in- und auswendig, Klopp hat seit Jahrzehnten hundertprozentiges Vertrauen in ihn. Für mich ist es keine Überraschung, dass er ihn mit ins Boot nimmt. Im Gegenteil: Es ist gut, wenn jemand da ist, der Dinge aus einer anderen Perspektive sieht und mit dem man auch mal kontrovers diskutieren kann.
Der DFB ist mit Mertesacker und Bender gut aufgestellt
Sven Bender kennt Klopp aus Dortmund. Sven ist ein junger, aufstrebender Trainer, der in Unterhaching erste Erfahrungen gesammelt hat. Ich kenne Sven auch persönlich, er ist nah am Fußball dran und arbeitet sehr seriös. Er gehört einer anderen Generation an und hat eine eigene Denkweise.
DFB-Präsident Bernd Neuendorf bestätigt Per Mertesacker als neuen Geschäftsführer Sport beim DFB.
Per Mertesacker wird neuer Geschäftsführer Sport. Ich finde gut, dass jemand, der als Nationalspieler erfolgreich war und nach seiner Profikarriere für das Nachwuchsleistungszentrum des FC Arsenal verantwortlich war, nun für den DFB arbeitet. Mertesacker und Bender sind eher ruhige Gesellen und seriöse Arbeiter. Beide haben viel im Fußball erlebt, mit ihnen ist man gut aufgestellt.
Mertesacker ist jemand, der seinen Job sehr ernst nimmt und über den Tellerrand hinausblickt. Auch Bender kann dem DFB mit seinem Wissen andere Impulse geben als jemand, der 20 Jahre oder 25 Jahre älter ist - weil er den Fußball anders sieht und näher dran an der Generation der Spieler ist, weil er sich im Nachwuchsfußball auch sehr gut auskennt.
Ich erwarte eine Rekord-Einschaltquote beim erstem Spiel
Ich freue mich schon auf Klopps ersten Einsatz als Bundestrainer. Ich denke, das Spiel in den Niederlanden gibt eine Rekord-Einschaltquote.
Auf dieses Spiel ist seit heute jeder deutsche Fußballfan gespannt. Wie verhält sich Jürgen? Wie performt die Mannschaft? Ich freue mich auf das Spiel, auf das Interview mit ihm und das riesige Interesse, das vielleicht noch größer ist als die WM-Spiele der deutschen Mannschaft.
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