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Kapitän Kimmich: "Wir geben alles für Deutschland!"

Joshua Kimmich führt das DFB-Team als Kapitän bei der WM an.
Joshua Kimmich führt das DFB-Team als Kapitän bei der WM an.

Joshua Kimmich galt als Gesicht der "Generation nix". Jetzt soll er die DFB-Elf zum Titel führen.

Joshua Kimmich führt das DFB-Team als Kapitän bei der WM an.
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Winston-Salem, USA, 12.06.2026

Joshua Kimmich greift mit seiner linken Hand nach dem schwarzen Filzstift und schreibt seine "Erwartungen an die WM 2026" auf sein DFB-Trikot mit der Nummer 6. "Wir müssen ein TEAM sein", malt der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft auf das Dress, dazu "Füreinander & miteinander", "Jedes Spiel zählt", "Wir müssen an uns glauben!" und "Wir geben alles für Deutschland!"


Es sind Leitsätze, die vor dem WM-Auftakt der DFB-Elf am Sonntag (19.00 Uhr/ARD und MagentaTV) gegen Außenseiter Curacao auch Julian Nagelsmann unterschreiben würde. Und doch hat der Bundestrainer an seinen Kapitän "nur einen Wunsch": Der Münchner, sagt Nagelsmann in der ZDF-Doku "Kapitän Kimmich", müsse "ein neues Buch aufmachen und es neu schreiben. Ohne Vorgeschichte." Denn die gleicht einer Gruselstory.


Kimmich ist das Gesicht der "Generation nix" beim DFB. Die hoch gewetteten Jahrgänge 1995/1996 um Leroy Sané, Serge Gnabry oder Leon Goretzka, die in jungen Jahren als kommende Weltmeister galten - und zweimal krachend gescheitert sind. 2022, nach dem zweiten Vorrunden-Aus in Folge, sprach Kimmich unter Tränen vom "schwierigsten Tag meiner Karriere" - diese historischen Fehlschläge seien "nichts, wofür man stehen möchte".


Vier Jahre später führt Kimmich die Nationalmannschaft mit 31 Jahren erstmals als Kapitän in ein großes Turnier - und eine bessere Zukunft? "Ich will auf jeden Fall Weltmeister werden", sagt er, aber er wisse, "dass der Weg dorthin brutal ist". Deshalb will er noch nicht so viel reden über den Titel-Traum. "Wir sollten über die Art und Weise, wie wir Fußball spielen wollen, nachdenken."


Das tut kaum einer so viel wie Kimmich. Doch der ewige Ehrgeizling, der seine Mitspieler einst mit Verbesserungsvorschlägen via WhatsApp nervte, hat dazugelernt. "Seine Führungsfähigkeit", sagt Bayern-Coach Vincent Kompany, habe sich stark verbessert, Kimmich erkenne inzwischen "Timing und Moment" für Kritik oder Lob besser. "Ziel ist nicht: Ich bin sauer und schreie jemanden an", sagt Kompany, "Ziel ist: Dein Kollege muss besser kicken." Das habe Kimmich verinnerlicht.


Kompany war der Schlüssel dafür. "Ich habe noch nie ein so großes Vertrauen bei einem Trainer gespürt", sagt Kimmich. Das hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Kimmich, der im Herbst 2024 schon zu "95 Prozent" weg war aus München und vor einem Wechsel zu Paris Saint-Germain stand, bei den Bayern verlängert hat.


Auch zu Nagelsmann pflegt er eine besondere Beziehung, wie im WM-Quartier in Winston-Salem zu sehen war. Beim ersten Training nahm der Chef seinen leitenden Angestellten für ein langes Vier-Augen-Gespräch zur Seite. "Er ist ein herausragend guter Kapitän", sagt Nagelsmann, "einer, der auch die Menschen beachtet, die nicht so im Rampenlicht stehen". Wie mit seiner "Glaub an dich"-Stiftung für Kinder.


Auf dem Platz schätzt Nagelsmann an Kimmich die "weltweit beste Flanke aus dem Lauf heraus", die berühmten "Chipbälle" und dessen Biss. "Er ist nicht schnell wie Usain Bolt oder groß wie Dirk Nowitzki. Er hat sich viele Dinge, die ihn zu einem Weltstar gemacht haben, erarbeitet."


Wie seinen Weg aus einem Dorf bei Rottweil ins Amt des DFB-Kapitäns. "Mir denket öfters", sagt Papa Berthold in der Doku in herrlichem Schwäbisch, "ob des alles wahr isch. En Junge aus Bösinge - da muss man sich ab und zu zwigge." Erst recht, falls dieser Junge ein neues, goldenes Kapitel schreibt.

© Marco Mader / Oliver Mucha
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