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Lothar Matthäus über die WM, den FC Bayern und Michael Olise

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Lothar Matthäus blickt in seiner Sky Sport Kolumne auf das WM-Finale und die Favoriten im Kampf um den Ballon d’Or. Der Rekordnationalspieler schätzt die Zukunft von Lionel Messi ein und erklärt, was Deutschland von Weltmeister Spanien lernen kann.

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Unterföhring, 20.07.2026

Den Gerüchten um Bayern-Star Michael Olise sieht er gelassen entgegen. Matthäus erwartet den deutschen Rekordmeister in der neuen Saison noch stärker als in der vergangenen Spielzeit.


Ich bin eigentlich ein Fan des argentinischen Fußballs, aber was die Südamerikaner im WM-Finale gezeigt haben, hatte nichts mit Fußball zu tun.

Spanien wollte spielen, Argentinien nicht. Sie waren mutlos und haben sich hinreißen lassen zu Szenen, die wir auf dem Fußballplatz nicht brauchen. Sie haben sich als schlechte Verlierer gezeigt und sie haben keinen Spalier für die Spanier gebildet, das fand ich sehr schade. Ich verstehe die Enttäuschung, aber es ist eine Frage des Respekts gegenüber einer Mannschaft, die verdient Weltmeister geworden ist.


Ich traue Messi keine weitere WM zu

Was sonst von der WM hängegeblieben ist? Angefangen mit den Trinkpausen, über die Einmischung der Politik bis zur Halbzeitshow im Finale. Ich habe gedacht: "Hoffentlich ist das bald vorbei!" Das waren alles tolle Künstler, aber am falschen Ort und zum falschen Zeitpunkt!

Lionel Messi hat Argentinien bis ins Finale geführt. Ich glaube, es war sein letztes WM-Spiel. Ich traue ihm nicht zu, mit 43 noch eine Weltmeisterschaft zu spielen, aber ich könnte nicht sagen, ob es sein letztes Länderspiel war.


Kampf um den Ballon d'Or ist völlig offen

Rodri wurde zum besten Spieler der WM gewählt. Ob er wirklich der beste Spieler war? Häufig ist es so, dass die FIFA einen auswählt, der direkt nach dem Finale geehrt werden kann. Rodri war der Dirigent der Weltmeistermannschaft, wie vor zwei Jahren, als Spanien Europameister und er Ballon-d'Or-Sieger wurde. Ich glaube allerdings nicht, dass er diese Trophäe auch in diesem Jahr gewinnen wird.

Durch Spaniens geschlossene Mannschaftsleistung ist völlig offen, wer die Auszeichnung erhält. Vorteile sehe ich bei Ousmane Dembele, der mit PSG wieder die Champions League gewonnen hat. Kylian Mbappe ist WM-Torschützenkönig, hat aber keinen Titel mit Real Madrid gewonnen. Es würde mich wundern, wenn er den Ballon d'Or bekäme.

Michael Olisewar bei Bayern herausragend, hatte die meisten Torvorlagen in der Bundesliga und bei der WM. Er und Bundesliga-TorschützenkönigHarry Kane haben mit Bayern das Double geholt, beide standen im WM-Halbfinale.


Auch wir haben Talente wie die Spanier

Von Spanien kann sich auch Deutschland einiges abschauen. Wir haben Talente wie Musiala, Brown oder Pavlovic, unsere U19 stand gegen Spanien im EM-Finale. Auch wir haben gute junge Spieler. Wichtig ist, dass sie nicht verhätschelt und richtig geführt werden. Ich habe das Gefühl, dass die jungen Spieler in Spanien geerdeter sind als bei uns.

Einige sagen, wir hätten zu wenig Qualität, aber einige der deutschen Nationalspieler stehen bei Real Madrid, Arsenal oder Bayern München unter Vertrag! Dort zeigen sie, dass sie es können!


Der Trainer muss wie ein zweiter Vater sein

Jürgen Klopp muss die Spieler wieder einfangen, klare Positionen für sie festlegen und er muss eine Mannschaft kreieren, in der jeder für jeden bis zum Umfallen kämpft.

Der Trainer muss für seine Spieler wie ein zweiter Vater sein, er darf sie nicht fallen lassen, sondern muss sie stärken, auch wenn sie mal schlecht spielen. Und wenn ich den Spielern etwas zu sagen habe, dann sage ich es ihnen persönlich und nicht in den Medien.


Wo Unruhe herrscht, gibt es keinen Erfolg

Julian Nagelsmann hat vor, während und nach der WM für Unruhe gesorgt, aber es muss Ruhe herrschen! Wo Unruhe ist, gibt es keinen Erfolg.

Bei Schalke 04 herrschte nach 30 Jahren endlich mal wieder Ruhe, und sie haben mit einer No-Name-Mannschaft und einem No-Name-Trainer den Aufstieg souverän geschafft, weil sie zum ersten Mal seit langer Zeit wieder als Einheit aufgetreten sind und keine Schlagzeilen produziert haben.


Olise? Ich sehe das ganz entspannt

In der vergangenen Woche wurde über die Zukunft von Michael Olise spekuliert, aber ich sehe das ganz entspannt. Uli Hoeneß hat bereits vor ein paar Wochen klar Stellung bezogen und erklärt, dass der Spieler bei Bayern bleibt und Real Madrid sich den Anruf sparen kann. Olise hat einen Vertrag in München, Bayern will ihn nicht verkaufen. Der Verein will Erfolg haben und hat bereits zwei sehr gute Transfers gemacht und ich bin überzeugt, dass die Planungen noch nicht abgeschlossen sind.

Olise hat in Frankreichs Nationalteam auf der Zehn gespielt, aber auf dieser Position hat der FC Bayern bereits zwei oder drei Spieler. Olise kann mal ins Zentrum rücken, wenn Not am Mann ist. Er hat auch bei Bayern schon dort gespielt, aber ich glaube, dass er sich auf dem rechten Flügel wohler fühlt. Er ist dort bei Bayern mehr aufgefallen als während der WM im französischen Zentrum.


Bayern wird in der neuen Saison noch stärker sein

Der FC Bayern ist am Montag in die Saisonvorbereitung gestartet, noch ohne die deutschen Nationalspieler und die anderen WM-Teilnehmer. Natürlich ist es für einen Trainer immer das Beste, wenn er seine Mannschaft so früh wie möglich zusammen hat, aber dass Spieler nach einem Turnier erst später zurückkommen, ist nichts Neues und aus meiner Sicht kein Nachteil gegenüber der Konkurrenz.

Ich denke, dass Bayern München in der nächsten Saison eine Mannschaft haben wird, die noch stärker ist als das Team der vergangenen Saison.


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