In seiner neuen Kolumne auf skysport.de ordnet Lothar Matthäus die Double-Saison des FC Bayern ein, blickt auf die Diskussionen rund um Uli Hoeneß und Max Eberl - und erklärt, warum er für Harry Kane keinen besseren Verein als den FC Bayern sieht.
Unterföhring, 26.05.2026
Zudem sieht Matthäus beim DFB vor allem den Zusammenhalt als entscheidenden Faktor – gerade mit Blick auf Manuel Neuer und die bevorstehenden Aufgaben der Nationalmannschaft bis zur WM.
Der FC Bayern hat geliefert. Double gewonnen, Meisterschaft und Pokal geholt - und damit eine Saison gespielt, die ich ganz klar als "sehr gut" bewerte. Vielleicht hat am Ende der ganz große internationale Wurf gefehlt, aber man muss auch realistisch bleiben: In Europa ist die Konkurrenz brutal, da entscheiden oft Kleinigkeiten.
Das Pokalfinale gegen Stuttgart hat vieles von dem gezeigt, was Bayern in dieser Saison ausgezeichnet hat. Dabei war Stuttgart in der ersten Halbzeit mutig, aggressiv, hat viel investiert und Bayern aus dem Rhythmus gebracht.
Aber genau da trennt sich die Qualität: Es ist wie bei einem Boxkampf - wenn du 45 Minuten Vollgas gehst und Mann gegen Mann über den ganzen Platz spielst, dann lässt du irgendwann Körner liegen. Nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf. Und genau in diesen Momenten ist Bayern da. Mit dieser individuellen Klasse, mit der Ruhe und mit dem Selbstverständnis einer echten Topmannschaft.
In der zweiten Halbzeit haben sie das Spiel kontrolliert, kaum noch etwas zugelassen und es souverän runtergespielt. Verdienter Sieg, verdientes Double.
Kane verkörpert Bayern - auf und neben dem Platz
Und vorne steht einer, der diese Mannschaft im Moment prägt wie kaum ein anderer: Harry Kane. Natürlich, die Tore sind da - und wie. Dreierpack im Finale, entscheidend in den großen Spielen.
Aber bei Kane geht es um mehr. Er ist nicht nur Neuner, er ist Spielmacher, Führungsspieler, Vorbild. Er arbeitet nach hinten, lässt sich fallen, fordert Bälle, übernimmt Verantwortung in jeder Phase des Spiels. Das ist der Unterschied zwischen einem Top-Stürmer und einem Weltklassespieler.
Und ich sage auch ganz klar: Ich sehe für Harry Kane aktuell keinen besseren Verein als den FC Bayern. Er fühlt sich wohl, seine Familie fühlt sich wohl, er bekommt die Wertschätzung, die er verdient.
Wenn es um eine Verlängerung geht, dann ist für mich vieles denkbar. In so einer Konstellation finden beide Seiten eine Lösung - da bin ich mir sicher.
Hoeneß & Eberl: Bayern hinterfragt sich selbst - trotz Erfolg
Natürlich wurde dieses sportliche Gesamtbild zuletzt von Diskussionen begleitet - vor allem durch die Aussagen von Uli Hoeneß zu Max Eberl. Uli ist ein ehrlicher Mensch und sagt, was er denkt. Und genau deshalb haben seine Worte Gewicht - intern wie extern.
Wichtig ist: Es geht hier nicht nur um das Sportliche oder eine Kaderzusammenstellung. Es geht um Grundsätzliches beim FC Bayern. Der Klub ist seit Jahrzehnten erfolgreich - nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich. Und genau deshalb wird auch in erfolgreichen Zeiten hinterfragt: Was können wir besser machen? Wo können wir effizienter werden?
In den vergangenen Jahren hat Bayern viel investiert - in Transfers, in Gehälter, in Vertragsverlängerungen. Das gehört zur Entwicklung eines Topklubs dazu. Aber gleichzeitig stellt man sich intern die Frage, ob jede Entscheidung im Nachhinein die richtige war. Hätte man Ablösen niedriger halten können? Hätte man früher reagieren müssen? Hätte man vielleicht noch häufiger auf eigene Talente setzen können?
Das sind keine Vorwürfe, sondern Teil eines gesunden Selbstverständnisses. Bayern will nicht nur erfolgreich sein - Bayern will nachhaltig erfolgreich sein. Und genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch Max Eberl. Er ist nicht allein verantwortlich für Entscheidungen, sondern Teil eines gesamten Führungsteams.
Er kann nicht alles zu 100 Prozent richtig machen. Aber Max ist ein Kämpfer, der anpackt, der Themen aktiv angeht. Und ich sehe aktuell keinen Grund, seine Rolle grundsätzlich infrage zu stellen. Und ganz ehrlich: 60:40 klingt auch besser als 40:60. Trotzdem gehört es beim FC Bayern dazu, dass jede Personalie geprüft und jede Entscheidung hinterfragt wird. Das ist das Business und die Verpflichtung des Vereins.
Kompany hat Bayern wieder Stabilität gegeben
Was bei der ganzen Diskussion nicht vergessen werden darf: Vincent Kompany hat dieser Mannschaft eine klare Struktur und Identität gegeben.
Bayern spielt wieder dominant, kontrolliert und gleichzeitig attraktiv. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis klarer Arbeit. Für mich ist entscheidend: Es geht nicht nur um Titel, sondern um das "Wie". Und da hat Bayern in dieser Saison überzeugt.
In der Champions League haben Kleinigkeiten gefehlt. Ein bisschen Spielglück, ein paar bessere Entscheidungen im richtigen Moment - und man wäre vielleicht noch weitergekommen. Aber für mich steht fest: Bayern ist wieder auf Augenhöhe mit der europäischen Elite.
Neuer und der DFB: Jetzt zählt nur noch der Zusammenhalt
Zum Schluss der Blick auf die Nationalmannschaft - und da steht insbesondere einer im Fokus: Manuel Neuer. Wenn er fit ist, muss er gegen Finnland und die USA spielen - ohne Diskussion. Gerade nach einer längeren Pause brauchst du Spielpraxis, brauchst du Rhythmus, brauchst du die Abstimmung mit deiner Abwehr.
Diese Spiele vor dem Turnier sind keine Experimente mehr, sondern eine Generalprobe. Und insgesamt geht es jetzt um etwas, das vielleicht sogar noch wichtiger ist als jede taktische Frage: Geschlossenheit. Zuletzt wurde viel diskutiert - über Aufstellungen, über Themen außerhalb des Platzes, über Entscheidungen. Das gehört dazu.
Aber jetzt ist der Punkt erreicht, an dem diese Diskussionen nichts mehr bringen. Der Kader steht, der Trainer hat entschieden - jetzt geht es nur noch darum, gemeinsam in dieses Turnier zu gehen. Fans, Medien, Experten - alle müssen an einem Strang ziehen. Deutschland ist eine Fußball-Nation. Und auch wenn wir vielleicht nicht als Topfavorit starten, haben wir die Qualität, jede große Nation zu schlagen.
Aber dafür brauchst du ein Team, das zusammenhält und sich auf das Wesentliche konzentriert. Genau das ist jetzt die Aufgabe - auf und neben dem Platz.
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