Fußball

Weiser feiert nach 14 Monaten Comeback für Werder: „Es fühlt sich für mich persönlich nach einem Sieg an“

Wagner kritisch zur zweiten Halbzeit: „Müssen darüber sprechen, warum uns der Mut gefehlt hat“ - Füllkrug zur Kampfleistung: „Gibt uns viel mehr als nur Ergebnisse“ - Thioune zu Füllkrugs Treffer: „Das ist das Stürmernäschen“ - Matthäus wünscht sich El Mala beim DFB: „Genau das brauchen wir doch“

Unterföhring, 12.09.2026

Die wichtigsten Stimmen zum tipico Topspiel des 3. Spieltags der Fußball-Bundesliga zwischen dem 1. FC Köln und dem SV Werder Bremen (1:1) bei Sky.  

 

Rene Wagner (Trainer 1. FC Köln) ...

… zum 1:1: „Wir hatten in den letzten beiden Spielen ein bisschen Probleme in der zweiten Halbzeit. Heute war es genau andersherum. Da müssen wir darüber sprechen, warum uns in diesen Phasen ein bisschen der Mut gefehlt hat – im hohen Pressing und auch mit Ball. Wir haben zu oft den langen Ball gewählt und dann wird es natürlich schwer. Bremen hat das in der zweiten Halbzeit 20, 25 Minuten super gemacht. Am Ende fällt leider noch dieses Standardtor. Aufgrund der ersten und der zweiten Halbzeit ist der Punkt aber für beide Mannschaften verdient.“

… zur bisherigen Ausbeute nach drei Spielen: „Wir haben vier Punkte nach drei Spielen und sind zu Hause ungeschlagen. Das ist wichtig für uns. Wir haben gegen zwei starke Gegner die Saison begonnen und jetzt gegen eine Mannschaft nicht verloren, die ungefähr in unserer Region zu finden sein wird. Deshalb ist es für uns erst einmal ein gewonnener Punkt. Aufgrund der zweiten Halbzeit müssen wir uns aber fragen, warum wir nicht aggressiver waren, vor allem mit Ball. Da bin ich enttäuscht, dass wir ein bisschen den Mut verloren haben, weiterhin zu attackieren.“

… zum Gegentor nach einer Ecke: „Am Ende ist es ein bisschen unglücklich. Wenn Jahmai da nicht den Fuß dranhält, nimmt Marvin den Ball hinten einfach auf. So wird es eine Vorlage für Füllkrug. Wir müssen das Kopfballduell in der Box besser führen. So fällt der Ball Füllkrug vor die Füße, er nimmt einen Kontakt und haut ihn rein.“

… zu seiner wütenden Reaktion nach dem Ausgleich: „In dem Moment ist es natürlich ärgerlich, weil ich weiß, welche Fragen danach kommen. Das gehört dazu. Wir arbeiten jede Woche daran und dann tut es umso mehr weh, weil wir die Thematiken kennen, die aufkommen. Für uns geht es darum, jeden Tag an diesen Sachen zu arbeiten.“

… zur Entstehung des 1:0: „Das Ziel im hohen Pressing ist natürlich, Bälle zu gewinnen. Wir hatten in der ersten Halbzeit ein paar davon, die wir gut ausgespielt haben. Das war super gespielt von den Jungs. Wir haben viel Druck auf den Gegner gemacht und wussten, dass wir vor die Kette wollen. Tom war heiß auf den Ball, das ist eine seiner großen Stärken. Wir bekommen ihn schnell nach vorne gespielt. Das war heute ein Ziel: viel vorwärts spielen, attackieren, aufdrehen und mutig sein. Das haben wir in der ersten Halbzeit gut gemacht, in der zweiten weniger gut.“

… zum Wunsch nach einem Spiel ohne Gegentor: „Natürlich ist es immer ein Ziel, zu null zu spielen. Das ist unsere Aufgabe, wenn das Spiel losgeht. Trotzdem dürfen wir unsere eigene Identität nicht verlieren. Wir wollen vorwärts spielen und aggressiv sein. Heute war es ein Standardgegentor, aus dem Spiel heraus ist nichts passiert. Daran arbeiten wir weiter. Die Aufgabe muss sein, hinten zu null zu stehen und vorne Tore zu machen.“

… zur besonderen Bedeutung der Nummer 10 (vor dem Spiel): „Ich glaube, jeder würde gerne mit der Nummer 10 spielen. Ich war nicht so gut als Spieler, von daher hätte es dafür auf jeden Fall nicht gereicht. Aber ich würde auch bei meinem Heimatverein irgendwo auf dem Dorf gerne mit der 10 spielen. Ich glaube, es ist immer etwas Besonderes.“

… zu Said El Mala und dessen Perspektive (vor dem Spiel): „Er war ja schon dabei. Einen Austausch gab es noch nicht. Said will jetzt Leistung bringen, um sich anzubieten. Heute leider von der Bank, aber wir haben viel Hoffnung, dass er viel Energie gibt.“

… zu den defensiven Problemen des 1. FC Köln (vor dem Spiel): „Wenn man Trainer beim 1. FC Köln wird, ist die erste Aufgabe immer, aggressiven Offensivfußball zu spielen. Das geht leider manchmal auch zulasten der Defensive. Das heißt aber nicht, dass wir wie in Stuttgart einfache Sachen nicht verteidigen können. Das müssen wir in der Liga abstellen. Dafür haben wir auch einen großen Kader. Jeder Spieler ist dafür gekommen, Leistungen zu bringen.“

… zur Chancenverwertung (vor dem Spiel): „Generell macht mir das keine Sorgen. Wir wollen nicht xG spielen. Es geht darum, sich Chancen herauszuspielen. Wenn man sich keine Chancen herausspielt, wird es noch schwerer, Tore zu machen. Am Ende geht es darum, effektiver vor dem Tor zu sein. Wir wollen immer wieder mutig sein, aggressiv zum Tor spielen und vorwärts spielen. Wir wollen nicht immer nur zurückspielen.“

 

Linton Maina (Torschütze 1. FC Köln) ...

… zur Bedeutung des Heimspiels (vor dem Spiel): „Wir freuen uns über jedes Heimspiel. Wir haben natürlich das letzte Spiel noch im Kopf. Aber wir wissen, wie es ist, zu Hause zu spielen, mit der Stimmung, Abendspiel, Topspiel – da braucht es keine Extramotivation.“

… zu Said El Mala als Option von der Bank (vor dem Spiel): „Mit Said fehlt natürlich ein wichtiger Spieler für uns, der aber auch entscheidend von der Bank kommen kann, wie jeder andere auch. Jeder versucht, das Bestmögliche umzusetzen und seine Leistung zu bringen. Ich glaube, wir sind vorne ganz gut aufgestellt. Und wenn dann so eine Granate noch von der Bank kommt, ist das für alle gut. Ich glaube, die Bremer wissen das auch.“

 

Daniel Thioune (Trainer Werder Bremen) ...

… zum Unentschieden in Köln: „Beide Mannschaften haben in ihrer besten Phase das Tor geschossen. In der ersten Halbzeit hätte ich mir gewünscht, dass wir nach dem gehaltenen Elfmeter sofort da und wach sind. Wach waren wir erst nach dem 0:1. Danach ist uns ein bisschen etwas gelungen und wir konnten zum Ende der ersten Halbzeit etwas Druck herausnehmen. Wir waren ein bisschen überrascht über diesen Dreieraufbau und mussten anpassen. In der zweiten Halbzeit haben wir das Spiel phasenweise bestimmt und verdient ausgeglichen. Wenn man die ein, zwei Möglichkeiten auf beiden Seiten sieht, ist das Unentschieden gerechtfertigt.“

… zu Füllkrugs Ausgleichstreffer: „Es war kein Zufall. Nach dem Kopfball von Amos Pieper und dem Abpraller ist nur ein einziger Spieler zum Ball gegangen und das war Niclas Füllkrug. Das ist das Stürmernäschen. Für mich ist das kein Zufall, sondern eine Qualität, die er besitzt. Zu diesem Zeitpunkt war der Ausgleich sicherlich verdient.“

… zum Comeback von Mitchell Weiser: „Das macht den Fußball aus. Der Junge hatte Tränen in den Augen. Hier dabei zu sein, war schon etwas Besonderes. Ich glaube, er hat nicht mit Spielzeit gerechnet, aber ich brauchte noch einmal einen Spieler im Zentrum. Er ist dort fast um sein Leben gerannt. Es gab keinen schöneren Ort für ihn, um zurückzukommen. Es war der Augenblick.“

… zur Entwicklung der Mannschaft: „Inhaltlich gibt es sicherlich noch Themen. Aber wir hatten immer noch fünf Neuzugänge in der ersten Elf, die keine Vorbereitung hatten. Mitchell Weiser hatte sie auch nicht. Dazu waren zwei Juniorenspieler wieder auf dem Platz. Das ist schon richtig cool. Ich würde sagen: Wir sind angekommen, aber wir sind noch nicht fertig. Wir sind demütig und bodenständig. Das ist ein Prozess und darauf freuen wir uns.“

… zur Spielidee von Werder Bremen (vor dem Spiel): „Grundsätzlich würde ich gerne Fußball spielen wie die Münchner. Aber es ging eher darum: Ich habe in den letzten Jahren die Arbeit von Frank Schmidt sehr geschätzt. Er hat sich mit Heidenheim bis nach Europa gearbeitet und sehr intensiven Fußball gespielt. Wenn Sie unsere Daten letzte Woche gesehen haben, dann haben wir sehr hart und intensiv gearbeitet. Deswegen kam es den Heidenheimern vielleicht ein Stück weit näher. Aber grundsätzlich wollen wir unsere eigene DNA entwickeln. Wir sind Werder Bremen.“

… zu Niclas Füllkrug (vor dem Spiel): „Ich würde sagen, er ist auch als Mensch gereift. Zumindest hat er das in unseren Gesprächen so kommuniziert. Er ist immer noch Torjäger und will auf der Anzeigentafel stattfinden. Aber er will auch Führung übernehmen und Identifikation schaffen. Das ist bei uns ganz wichtig nach den letzten Monaten, in denen vielleicht ein bisschen Identifikation verloren gegangen ist. Dafür ist er prädestiniert. Ich glaube, er wird sich bei uns noch weiterentwickeln können. Wenn er über einen längeren Zeitraum wettkampffähig ist, werden wir alle noch viel Freude an ihm haben.“

 

Niclas Füllkrug (Torschütze Werder Bremen) ...

… zur Mentalität der Mannschaft: „Es ist gut für uns als Team, hier in Köln in so einem hitzigen Stadion wieder bestanden zu haben. Das gibt uns im Moment sehr viel mehr als nur Ergebnisse. Wir sind zurückgekommen. Solche Tore nach einem Abpraller, wo dir der Ball irgendwie vor die Füße fällt, erarbeitet man sich als Mannschaft. Die Szenen in der ersten Halbzeit, wie wir nach Ballverlust nach hinten sprinten, waren für mich fast wertvoller als das Tor am Ende. Wir fokussieren uns darauf, als Mannschaft total füreinander da zu sein und gar nichts Negatives in die Mannschaft kommen zu lassen.“

… zur spielerischen Leistung von Werder: „Es war ein Stück weit ein erwartbares Spiel. Es war natürlich ein gewisses Abarbeiten. Ich fand trotzdem, dass wir gerade in den letzten zehn, 15 Minuten der ersten Halbzeit eine Phase hatten, in der wir gut rotiert sind und die Räume gut belaufen haben. Natürlich fehlt an manchen Stellen noch das eine oder andere Quäntchen Qualität. Wenn wir da sauberer Fußball spielen, kommen wir noch öfter vor das Tor. Wir müssen es in verschiedenen Situationen qualitativ besser zu Ende spielen, aber für heute bin ich mit dem Auftreten der Mannschaft einverstanden.“

… zu seinem Treffer zum 1:1: „Skhiri hat das eigentlich sehr gut gemacht und war bei den Ecken sehr eng an mir dran. Am Ende fällt mir der Ball wirklich vor die Füße. Vielleicht bin ich einen Tick wacher als die anderen oder rechne damit. Amos gewinnt ein gutes Kopfballduell. Dann bin ich zur Kurve gelaufen und habe gerufen: ‚Wie geht das, dass ich dieses Trikot anziehe und wieder treffe, wie ich will?‘ Es ist Wahnsinn.“

… zum emotionalen Comeback von Mitchell Weiser: „Ich musste sogar mitweinen. Ich drehe mich vor der Kurve um und sehe Mitchi mit Tränen in den Augen. Ich kenne das leider selbst. Ich hatte unter anderem auch einen Kreuzbandriss. Da gehst du durch Momente in der Reha, in denen du wirklich denkst: Wie soll das jemals wieder werden? Das hat er überstanden und kann ganz stolz auf sich sein. Wir sind sowieso stolz auf ihn und ganz glücklich, dass er wieder da ist.“

 

Mitchell Weiser (Werder Bremen) ...

… zu seinem Comeback nach 14 Monaten: „Das Traumszenario wäre gewesen, wenn wir noch eins gemacht hätten. Für mich war es trotzdem ein besonderer Abend. Es fühlt sich für mich persönlich nach einem Sieg an. Natürlich hätten wir als Mannschaft aber gerne gewonnen.“

… zu seinen Emotionen nach dem Schlusspfiff: „Es war eine sehr lange Zeit. Seitdem ich mit Fußball angefangen habe, war das die längste Zeit ohne Fußball. Das war hart für mich. Jeden Tag diese Ungewissheit, wann ich wieder auf den Platz kommen kann. Dann habe ich gemerkt, dass ich für dieses Spiel in Köln gekämpft habe, überhaupt dabei zu sein. Hier hat alles für mich angefangen, in diesem Stadion. Da ist einfach etwas hochgekommen.“

… dazu, wie gezielt er auf das Spiel in Köln hingearbeitet hat: „Ich hatte schon vor, letzte Saison zurückzukommen. Dann kommen bei so einer schweren Verletzung Dinge dazwischen. In den letzten drei, vier Wochen hat man gemerkt, dass es für Köln reichen könnte. Es sollte noch gebremst werden, aber ich habe gekämpft, dass ich hier dabei bin. Wie es dann so will, konnte ich reinkommen. Das war besonders.“

… zu seiner Motivation während der Reha: „Genau das, was ich jetzt erlebt habe. Für mich ist dieses Spiel in so einem Stadion, generell Fußball zu spielen, das Schönste. Das habe ich in der Zeit, in der ich es nicht hatte, noch einmal gemerkt. Es ist das Schönste auf der Welt für mich.“

… zur Entwicklung von Werder Bremen: „Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Aber wir haben eine gute Energie. Wenn wir damit weiterarbeiten, werden wir eine gute Mannschaft werden.“

 

Sky Experte Lothar Matthäus ...

… zum Comeback von Mitchell Weiser: „Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man nach so langer Zeit zurückkommt. Du arbeitest darauf hin und bei ihm hat in der Reha oder mit seinem Körper nicht immer alles so funktioniert, wie man es sich gewünscht hat. Dann hier in seiner Geburtsstadt, wo er früher gespielt hat und auch sein Vater gespielt hat – einerseits eine traurige Geschichte, andererseits für Mitchell ein tolles Gefühl, wieder dabei zu sein.“

… zur Führungsrolle von Niclas Füllkrug: „Er ist der verlängerte Arm des Trainers. Viele schauen zu Niclas auf und hören auf ihn. Mir gefällt es, wenn ein Spieler wie er vorangeht und von seiner Position 30 Meter nach hinten den Ball wegrätscht. Dann machen es die anderen für ihn und für die Mannschaft genauso. Auch die Bälle, die er von seinen Mitspielern bekommt, erarbeitet er sich, weil sie Vertrauen zu ihm haben. Bei ihm weiß man: Er ist da und hat seine Qualitäten. Er braucht noch ein paar Wochen, ein paar Spiele und Spielminuten, dann wird er noch stärker.“

… zu Mikey Moore (vor dem Spiel): „Er ist ein guter Spieler: Dynamik, Geschwindigkeit, gute Technik. Er hat in Stuttgart gute Dribblings gezeigt und war in der Zeit, in der er gespielt hat, ein belebendes Element für den 1. FC Köln.“

… zu Said El Mala und der Nationalmannschaft (vor dem Spiel): „Er ist auf jeden Fall ein Spieler für Jürgen Klopp. Er wäre auch ein Spieler für Julian Nagelsmann gewesen. Vielleicht hat er ihn nicht mitgenommen, weil zu viel Trubel um ihn gewesen wäre. Aber genau das brauchen wir doch. Ein Spieler wie er mit dieser Geschwindigkeit setzt seine Stärken ein. Er hat Stärken, die man braucht, um ganz oben dabei zu sein.“

 

Sky Expertin Julia Simic ...

… zur Entwicklung beider Mannschaften: „Beide haben kein richtig gutes Spiel gemacht. Erst hatte Köln das Chancenplus, dann kam Bremen besser rein. Beide haben kein Feuerwerk abgebrannt. Köln muss daran arbeiten, aber Bremen ist auch nicht gut ins Spiel gekommen. Es sind viele neue Spieler dabei und die Vorbereitung war kurz. Bei Köln ist es ähnlich. Diese Spieler müssen erst integriert werden, das ist ein Prozess. Beide Trainer werden heute viel zu analysieren haben.“

… zur Bedeutung von Niclas Füllkrug für Werder Bremen (vor dem Spiel): „Er ist für mich der X-Faktor bei Bremen, weil er dieses Umfeld so gut kennt. Er ist ein Wachrüttler und kann die Mannschaft mitreißen – mit der Art, wie er anläuft und gegen den Ball arbeitet. Zudem kann er vor dem Tor eiskalt sein. Genau das hat Bremen zuletzt vielleicht gefehlt: ein Knipser. Wenn er gesund bleibt, kann er ein richtig wichtiges Element für Bremen sein.“

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