Lothar Matthäus schreibt in seiner Kolumne, warum ihn Bayern Münchens Niederlage gegen Augsburg nicht überrascht hat und was Trainer Vincent Kompany jetzt tun muss. Der Sky Sport Experte nimmt Neuer-Ersatz Jonas Urbig in Schutz.
Unterföhring, 27.01.2026
Matthäus erklärt zudem, warum die anstehenden Spiele in der Champions League für Bayern und Borussia Dortmund so wichtig sind. Zunächst möchte ich mich herzlich für die vielen lieben Genesungswünsche nach meinem Skiunfall bedanken! Es haben sich auch Leute bei mir gemeldet, mit denen ich seit Jahren nicht mehr gesprochen hatte. Es ist schön, wenn Menschen an einen denken. In solchen Momenten tut jede Anteilnahme gut, gerade für den Kopf. Statt beim Topspiel in Berlin war ich im Studio in Unterföhring. Eins kann ich sagen: Es war auf jeden Fall wärmer als in Berlin im Stadion! Beim Topspiel ist Didi Hamann eingesprungen. Didi und ich kennen uns seit vielen Jahren. Er weiß, dass er sich auf mich verlassen kann und umgekehrt ist es genauso.
Bayern hat zu viel zugelassen
Die 1:2-Niederlage des FC Bayern gegen Augsburg kam für mich nicht völlig überraschend. In den vergangenen Monaten und Wochen waren schon einige Spiele dabei, in denen es nicht ganz rund lief, wie gegen Union und Mainz, als man schon nahe dran war, den Platz als Verlierer zu verlassen. In den letzten beiden Spielen haben die Münchner sehr viele Torschüsse zugelassen. In Leipzig waren es 17, gegen Augsburg 16. Wenn es dann auch vorne nicht so läuft, weil der Gegner gut verteidigt, oder weil etwas die Leichtigkeit fehlt, passiert etwas wie am Samstag. Augsburg hat es sehr gut gemacht, Bayern hatte nicht die Kontrolle, die man eigentlich von ihnen gewohnt ist.
Trotz der Ausfälle genügend Qualität im Kader
Es haben gleich mehrere Rechtsverteidiger gefehlt, wie Stanisic oder Laimer. Gerade Laimer war für mich einer der überragenden Spieler der Hinrunde, aber auch ohne die Verletzten hat man genügend Qualität im Kader, um über einen kurzen Zeitraum eigentlich jeden Spieler ersetzen zu können. In Leipzig konnten die Bayern es noch korrigieren und haben in der zweiten Hälfte fünf Tore erzielt und Manuel Neuer hat weitere Gegentreffer verhindert.
Kein Grund zur Diskussion um Urbig
Das 1:1 gegen Augsburg war zwar ein Fehler von Jonas Urbig, aber seine Vorderleute haben die Bälle nicht so wegverteidigt, wie sie es in fast allen Spielen vorher getan hatten. Urbig hat eine falsche Entscheidung getroffen, aber das hat Neuer auch schon getan. Man kennt Urbig und weiß, was er zu leisten imstande ist. Bis auf einen Fehler gegen Union Berlin und jetzt gegen Augsburg hat er sich nichts zuschulden kommen lassen. Deswegen sehe ich keinen Grund, über ihn zu diskutieren.
Kompanys Aufgabe: Sinne schärfen
Für Trainer Vincent Kompany gilt es jetzt, die Sinne seiner Spieler wieder zu schärfen. Das Ziel muss sein, noch eine ähnliche Serie zu starten, am besten schon am Mittwoch in Eindhoven. Es ist sehr wichtig, Platz zwei in der Champions-League-Tabelle zu halten, um in den K.o.-Runden im zweiten Spiel Heimrecht in der Allianz Arena zu haben. Dort hat man in der Königsklasse bisher nichts anbrennen lassen.
Darum wäre ein BVB-Erfolg gegen Inter so wichtig
Der eine Ausrutscher des FC Bayern ändert nichts an der Situation in der Bundesliga, der Vorsprung auf Borussia Dortmund beträgt immer noch komfortable acht Punkte. Das Heimspiel in der Champions League gegen Inter Mailand wird nicht einfach, aber im Signal Iduna Park kann der BVB jedem Gegner wehtun. Die Borussia braucht ein gutes Ergebnis, um bei den Playoffs in der oberen Hälfte gesetzt zu sein. Auch für die Köpfe der Spieler wäre es wichtig, nach dem verdienten Sieg in Berlin gegen eine europäische Spitzenmannschaft zu gewinnen und ein Zeichen zu setzen.
Abwehr trotz Anselmino-Abschied gut besetzt
Nach dem 0:3 in London gab es Kritik, nach dem 3:0 in Berlin dann wieder Lob für Niko Kovac und seine Mannschaft. Kovac macht einen hervorragenden Job, der zu wenig gewürdigt wird. Durch die sofortige Rückkehr von Anselmino zum FC Chelsea hat Kovac in der Abwehr eine Option weniger, aber man hat immer noch vier etatmäßige Innenverteidiger plus Bensebaini im Kader. Das müsste aus meiner Sicht eigentlich reichen.
Es liegt nicht an Kovac, wenn Guirassy nicht mehr lächelt
Die Qualität im BVB-Kader ist vorhanden, aber es fehlt an Stabilität, weil in der Offensive Spieler wie Guirassy, Adeyemi oder Brandt ihre Qualitäten momentan nicht zeigen. Kovac stützt seine Spieler. Es liegt nicht am Trainer, wenn Guirassy nicht mehr lächelt. Adeyemi haben wahrscheinlich auch seine Vertragssituation und seine persönlichen Geschichten mitgenommen. Brandt spielt einmal fast auf Messi-Niveau und ist im nächsten Spiel wieder unsichtbar. In Dortmund werden die Profis gestreichelt und nicht nach außen hin angezählt, man steht zu ihnen. Aber natürlich hofft man, dass diese Spieler schnellstmöglich wieder die Dinge zeigen, mit denen sie den Fans so viel Freude bereitet haben.
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