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Lothar Matthäus über Deutschland, Führungsspieler und den WM-Auftakt gegen Curacao

Lothar Matthäus
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Lothar Matthäus

Unterföhring, 08.06.2026

Lothar Matthäus zieht in seiner Sky Sport Kolumne ein Fazit der Vorbereitung und erklärt, was bei der WM besser werden muss. Für einen deutschen Akteur findet der Rekordnationalspieler besonders lobende Worte.


Im ersten Gruppenspiel gegen Curacao am Sonntag erwartet Matthäus ein deutliches Ergebnis.


Deutschland hat bei der WM-Generalprobe gegen die USA keine Glanzvorstellung gezeigt. Nach der frühen Führung hat das DFB-Team den Amerikanern das Spiel überlassen, die ganze Mannschaft hatte zu kämpfen. Wichtig war, dass man am Ende gewonnen hat.


Das Turnier wird aber ganz anders verlaufen als solch ein Testspiel. Bei der WM schaut die ganze Welt zu, erst dann bekommst du den vollen Fokus, die Spannung und die Konzentration.


Die USA sind keiner der Top-Favoriten, Deutschland will Weltmeister werden und man weiß, an welchen Stellschrauben man noch drehen muss.



Eingespieltes Team wichtig für ein erfolgreiches Turnier


Beim letzten Titelgewinn im Jahr 2014 standen mit Manuel Neuer, Philipp Lahm, Mats Hummels, Jerome Boateng, Sami Khedira, Toni Kroos und Miro Klose mehrere Spieler mit viel Erfahrung in der Mannschaft, heute sind viele jungen Spieler dabei.


Havertz ist nicht mehr wegzudenken


Neuer und Kapitän Kimmich sind die erfahrensten Führungsspieler im DFB-Team.


Jonathan Tah sehe ich eher als Abwehrchef als Nico Schlotterbeck, obwohl Nico seine Aufgaben in den letzten beiden Spielen auch sehr ordentlich erledigt hat. Nathaniel Brown hat es auf der linken Abwehrseite gut gemacht.


Kai Havertz hat sich zum Führungsspieler entwickelt und ist nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken, egal, auf welcher Position er spielt: ganz vorne, im offensiven Mittelfeld oder auf der Halbposition. Je nachdem, wie sich Julian Nagelsmann entscheidet.


Musiala, Wirtz und Sane müssen sich beweisen


Gegen einen wahrscheinlich sehr tief stehenden Gegner aus Curacao könnte sich der Bundestrainer taktisch etwas einfallen lassen, zum Beispiel Havertz auch mal weiter hinten und vorne Deniz Undav oder Nick Woltemade spielen zu lassen. Es würde aber wenig Sinn ergeben, zum Beispiel die Doppel-Sechs aufzulösen und ein anderes System zu spielen, denn man müsste man gegen den nächsten Gegner wieder umstellen.


Nach dem Sieg in Chicago habe ich im Stadion viele fröhliche Gesichter und einen - zumindest nach außen hin - zufriedenen Bundestrainer gesehen. Doch auch ihm wird nicht alles gefallen haben, was er beim 2:1 gesehen hat.


Wenn wir Weltmeister werden wollen, müssen alle an ihre Leistungsgrenzen kommen. Jamal Musiala, Florian Wirtz und Leroy Sane sind drei Künstler, jeder auf seine Art und Weise. Das müssen sie jetzt auch zeigen. Ihre Geniestreiche können über Weiterkommen und Ausscheiden entscheiden.


Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha stehen am Anfang ihrer Nationalmannschaftskarrieren. Keiner von beiden ist ein Joshua Kimmich, Kroos oder Ilkay Gündogan, aber zu zweit machen sie es hervorragend. Wenn die Leistungen stimmen, hat man vielleicht auch mal einen kleinen Vorsprung gegenüber älteren und reiferen Spielern wie zum Beispiel Leon Goretzka, auf den aber auch immer Verlass ist.

Eine eingespielte Mannschaft und ein eingespieltes System sind wichtig für ein erfolgreiches Turnier. Ich gehe davon aus, dass Deutschland gegen Curacao mit der Anfangsformation des USA-Spiels beginnt, außer dass Manuel Neuer im Tor stehen wird, wenn er fit ist.


Auch das Quartier kann ein Faktor sein


Auch die Wahl des Quartiers kann ein Faktor sein. Bei den vergangenen Turnieren in Katar und Russland hatte man zweimal die falsche Wahl getroffen, man war weit ab vom Geschehen.


Bei der WM 1990 in Italien waren wir schnell am Comer See oder sind mal nach Mailand reingefahren. Wir hatten Abwechslung. Ich glaube, das ist ganz wichtig für den Kopf. Bei der WM 1994 in den USA waren wir in einem großen Hotel weit außerhalb von Chicago untergebracht. Das Einzige, was man damals in der Freizeit machen konnte, war Golf spielen. Ansonsten war es ziemlich einsam in diesem Betonbunker.


Am heutigen Montag bezieht die deutsche Mannschaft ihr Basecamp in North Carolina, die Gegebenheiten vor Ort kenne ich nicht. Die Stimmung im Team ist gut, aber im Endeffekt kommt es darauf an, die nächsten Aufgaben konzentriert anzugehen.


Ich erwarte einen deutlichen Sieg gegen Curacao


Mit Curacao haben wir zum Auftakt sicher nicht die schwierigste Aufgabe, aber auch dieses Spiel muss man so angehen, dass man gleich zu Beginn des Turniers ein Ausrufezeichen setzt.

Bei allem Respekt vor Curacao, aber sie sind ein WM-Neuling aus einem Land mit etwa 150.000 Einwohnern. Alles andere als ein deutlicher Sieg für Deutschland wäre eine Überraschung.


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