Unterföhring, 28.04.2026
Der Sky Sport Experte blickt auf das Halbfinal-Hinspiel zwischen Paris Saint-Germain und dem FC Bayern (Di., ab 21:00 Uhr im Liveticker) und erklärt, was die Münchner besser machen müssen als im Viertelfinale gegen Real Madrid.
Matthäus lobt die Qualität und den unbedingten Siegeswillen der Münchner und schätzt ein, welche Auswirkungen das Fehlen des gesperrten Trainers Vincent Kompany hat.
Die Mannschaft des FC Bayern hat gezeigt, dass sie jedes Spiel drehen kann. Egal, wie groß der Rückstand ist. Egal, ob in der Bundesliga, wie am Samstag beim 4:3 in Mainz oder in der Champions League beim 4:3 gegen Madrid.
Gegen Real hat Bayern sich durch den frühen Fehler von Manuel Neuer nicht aus dem Rhythmus bringen lassen, dreimal zurückgelegen und am Ende trotzdem gewonnen. Da hat man die Gier und den Willen dieser Mannschaft gesehen - und vor allem die Qualität. Nicht nur, was die spielerischen Mittel angeht, sondern auch, was die Mentalität betrifft. Auch in schwierigen Phasen klar im Kopf zu sein, nicht zu überdrehen, aber doch das Nötige zuzulegen.
Alle treten mit voller Überzeugung auf. Sie wissen, ähnlich wie Leverkusen vor zwei Jahren, dass sie bis zum Schlusspfiff immer noch eine Antwort finden können. Das haben sie in den vergangenen Wochen gezeigt und das ist eine zusätzliche Stärke.
Bayern ist stabiler als PSG
Ich schätze Paris Saint-Germain zum jetzigen Zeitpunkt stärker ein als im November bei der 1:2-Niederlage gegen Bayern. Damals haben sie aber in der zweiten Halbzeit - wenn auch in Überzahl - gezeigt, wozu sie in der Lage sind. In den K.o.-Spielen haben sie an diese Leistung angeknüpft. Deshalb glaube ich nicht, dass Bayern in Paris so dominant auftreten wird wie im November, zumal es damals kein K.o.-Spiel war.
Paris hat gute Leistungen gezeigt, aber Bayern wirkt auf mich stabiler und besser aufeinander abgestimmt, die Mechanismen greifen noch besser. Bei Bayern ist ein bisschen mehr Leichtigkeit im Spiel, es herrscht ein größeres Miteinander im Team, das könnte am Ende den Ausschlag geben.
Heimrecht im Rückspiel ist ein Vorteil
Dass Bayern das Rückspiel in München austragen kann, ist ein kleiner Vorteil, allerdings hat PSG in der vergangenen Saison auch Spiele auswärts entschieden und am Ende den Titel gewonnen.
PSG ist in der Defensive und in der Offensive stark, sie haben Liverpool im Viertelfinale zweimal 2:0 geschlagen. Gegen Chelsea haben sie 5:2 und 3:0 gewonnen. Auch wenn die Londoner in der Krise sind, muss man diese Spiele erst einmal so deutlich gewinnen.
Die Abwehr muss an Stellschrauben drehen
Bayern spielt immer nach vorne, die Mannschaft glaubt an ihren Stil. Wenn du so viele Tore schießt, kannst du auch mal eins kassieren. Durch die offensiven Außen hat man Real manchmal zu viel Raum gelassen. Wie Madrid hat auch Paris schnelle Spieler, die versuchen werden, das auszunutzen.
Die Münchner müssen defensiv an der einen oder anderen Stellschraube drehen und dürfen nicht so viele Chancen und Abschlüsse wie gegen Real zulassen.
Ich freue mich auf das Spiel und auf die beiden Mannschaften, nicht nur auf einzelne Stars. Ousmane Dembele und Michael Olise spielen ja nicht gegeneinander, sondern ganz weit entfernt voneinander. Natürlich gibt es Schlüsselspieler, aber es kommt darauf an, dass jeder einzelne die Fehler minimiert, bzw. keine Fehler zulässt, weil der Gegner sie mit seiner herausragenden Qualität bestraft.
Kompanys Fehlen sollte nicht ausschlaggebend sein
Dass Vincent Kompany wegen seiner Sperre nicht auf der Trainerbank sitzen darf, ist nicht gerade ein Vorteil. Kompany nimmt normalerweise häufig Einfluss an der Seitenlinie in und spricht mit den Spielern. Es muss viel aufgearbeitet und vorbereitet werden. Andererseits ist das Trainerteam sehr gut eingespielt. Kompanys Fehlen sollte nicht ausschlaggebend dafür sein, ob Bayern weiterkommt oder nicht.
Ich wäre mit einem Unentschieden im Hinspiel zufrieden, aber Bayern wird damit nicht zufrieden sein, denn sie wollen jedes Spiel gewinnen. Ich würde sagen: Unentschieden, knapper Sieg im Rückspiel. Bayern München ist sicher in der Lage, in zwei Spielen das bessere Ende für sich zu haben.
Mehr zum Autor Lothar Matthäus
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