Frauen-Fußball

Lothar Matthäus über die Frauen-EM und die Nationalmannschaft

Lothar Mathäus
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Lothar Matthäus schreibt in seiner Kolumne, warum er die Situation im deutschen Fußball nicht so negativ bewertet wie Matthias Sammer mit seiner jüngsten Kritik.

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Unterföhring, 14.07.2025

Der Sky Sport Experte erklärt, was das größte Problem der Männer-Auswahl ist und lobt die Auftritte der deutschen U21.


Die deutschen Frauen haben bei der EM in der Schweiz gegen starke Schwedinnen ihre Grenzen aufgezeigt bekommen.


Das DFB-Team hat in der Vorrunde sechs Punkte geholt, aber es hat nicht zielstrebig gespielt und gegen Dänemark und im letzten Gruppenspiel gegen Schweden insgesamt fünf Tore kassiert.

Der Auftakt in ein Turnier ist immer schwierig, es sind viele junge Spielerinnen dabei und nach der Verletzung von Kapitänin Giulia Gwinn fehlt die Anführerin sowie das Gesicht der Mannschaft.


Gegen Frankreich muss sich Deutschland steigern

Im Viertelfinale geht es am Samstag gegen Frankreich, auch Spanien ist in der deutschen Hälfte des Turnierbaums. Beide Gegner sind allererste Klasse. Es wird aber schwer genug, gegen Frankreich ins Halbfinale einzuziehen. Dafür muss sich das Team steigern.

Der Traum lebt weiterhin, aber ich würde nicht sagen, dass wir zum engen Favoritenkreis gehören. Wir gehören zu den besten acht Teams in Europa, das ist aber nicht der Anspruch in Deutschland - weder bei den Frauen noch bei den Männern.


Wir sind nicht weit von der Spitze entfernt

Was die Gesamtsituation des deutschen Fußballs betrifft, sehe ich es ein bisschen anders als Matthias Sammer mit seiner Kritik. Wir sind nicht so gut, wie wir es uns vielleicht ab und zu einreden.

Natürlich fehlt etwas, da hat Matthias recht, aber wir sind nicht weit von der Spitze entfernt, auch wenn die Nations League wieder in die Hose gegangen ist.


Die Chancenverwertung ist das große Manko

Wir haben ein großes Problem - und das ist die Chancenverwertung. Wir haben viele Spiele dominiert, aber unsere Tormöglichkeiten nicht genutzt und dadurch waren die Ergebnisse schlecht.

Was die Aufarbeitung betrifft, kann die interne Kritik ruhig auch mal nach außen getragen werden. Julian Nagelsmann oder auch Rudi Völler können nicht nur alles schönreden, sondern man muss auch feststellen, dass es an der Ruhe beim Abschluss und an Erfahrung fehlt.

Man weiß, dass wir auf der einen oder anderen Position nicht die nötige Erfahrung haben, um als Topfavorit in ein Turnier zu gehen. Das heißt für mich aber nicht, dass wir keinen Titel gewinnen können.

Bei der EM 2024 sind wir unglücklich gegen Spanien ausgeschieden, in der Nations League gegen Portugal hatten wir Torchancen, haben sie aber nicht genutzt und dann durch die Auswechslungen unseren Rhythmus verloren. Die Chancenverwertung war, wie schon bei der WM in Katar, mangelhaft. Das ist unser Manko, ansonsten kann man der Männer-Nationalmannschaft nichts vorwerfen.

Auch die Frauen geben alles, sie hatten auch klare Feldvorteile, aber man sieht im Ergebnis nicht, was man sich erarbeitet hat.


U21-Auswahl als positives Beispiel

Im deutschen Fußball ist man immer über die Mentalität gekommen. Wir haben immer bis zum Ende an uns geglaubt und deswegen wollten andere Mannschaften nicht gerne gegen Deutschland spielen. Das war vor 40 Jahren schon so und das haben wir zuletzt auch bei der U21-Nationalmannschaft gesehen. Es hat zwar am Ende im EM-Endspiel leider nicht ganz gereicht, aber die Mannschaft hat eine gute Mentalität gezeigt und ist immer wieder zurückgekommen.

Das ist der A-Nationalmannschaft zuletzt in der Nations League gegen Portugal leider nicht gelungen. Gegen Frankreich waren die Spieler dann vielleicht nicht fokussiert genug und standen zu weit von den Gegnern. Es hat an Erfahrung, Cleverness und Handlungsschnelligkeit gefehlt. Und das sind Dinge, die in der Weltspitze ausgenutzt und bestraft werden.

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