Lothar Matthäus ordnet in seiner Kolumne den klaren Auftaktsieg des FC Bayern bei der Klub-WM ein und bewertet Joshua Kimmichs Forderung nach Verstärkungen.
Unterföhring, 16.06.2025
Der Sky Sport Experte kann nicht nachvollziehen, warum Leroy Sane in den USA dabei ist, versteht aber dessen Wechsel zu Galatasaray. Für die Offensive hat Matthäus einen Favoriten.
Der 10:0-Sieg des FC Bayern zum Auftakt der Klub-WM hat mich nicht überrascht, ich hatte sogar auf ein 12:0 getippt. Auckland City hat, bezogen auf deutsche Verhältnisse, nur Bezirksliga-Niveau. Die Bayern haben ihren Job souverän erledigt und ich gehe davon aus, dass sie auch das zweite Spiel gegen die Boca Juniors am Freitag gewinnen.
Boca befindet sich im argentinischen Fußball in der Krise. Ich erwarte keinen so hohen Sieg wie gegen Auckland, aber eine klare Angelegenheit.
Ich freue mich für Musiala, Kane muss aufgebaut werden
Jamal Musiala hat nach seiner langen Verletzungspause bei seinem Comeback gegen Auckland drei Tore geschossen. Ich habe mich sehr für ihn gefreut. Er hat wieder das gezeigt, was ihn schon seit Jahren auszeichnet.
Harry Kane ist beim 10:0 leer ausgegangen. Er hat zwar zuletzt das 1:0 für England gegen Andorra erzielt, aber wenn er bei der Nationalmannschaft war, muss er immer wieder erst aufgebaut werden. Bei Bayern stehen Spaß, Freude und Offensive im Vordergrund, bei England wird Fußball momentan nicht einmal gearbeitet.
Es ist traurig anzusehen, wenn man weiß, wie professionell Kane seiner Arbeit nachgeht. Er scheint unter dem aktuellen Trainer Tuchel - wie schon unter dessen Vorgänger Southgate - nicht unbedingt glücklich zu sein. Bei Bayern hat er eine andere Körpersprache als in der Nationalmannschaft.
Kann nicht nachvollziehen, dass Sane dabei ist
Was Leroy Sane betrifft, kann ich nicht nachvollziehen, warum er bei der Klub-WM überhaupt dabei ist, zumal er am Sonntag gar nicht gespielt hat. Vielleicht bekommt er noch einen Einsatz, aber ich weiß nicht, wo der Sinn dahintersteckt ihn mitzunehmen, wenn ich auf dieser Position Gnabry und Coman und auch junge Spieler habe, die zeigen wollen, was sie leisten können.
Sanes Wechsel zu Galatasaray ergibt Sinn
Vollkommen nachvollziehen kann ich allerdings Sanes Wechsel zu Galatasaray. Leroy ist ein Unterschiedsspieler, hat aber in München vielleicht zu wenig gezeigt und von Medien und Fans viel Kritik abbekommen. Ich hatte auch das Gefühl, dass im Verein nicht alle von Anfang zu ihm standen. Ich kann verstehen, dass er für sich die Reißleine gezogen hat und den Weg nach Istanbul geht.
Galatasaray ist ein Verein, der in der Champions League spielt, der ambitioniert ist und seriös geführt wird. Ich glaube, dass die türkische Liga wesentlich stärker ist, als man sie hier in Deutschland macht, auch wenn sie nicht das Niveau der Bundesliga oder der Premier League. hat.
Tel-Verkauf ist eine Win-Win-Situation
Mathys Tels fixer Transfer zu Tottenham ist eine Win-Win-Situation für ihn und für Bayern, die eine ordentliche Ablösesumme kassieren. Tel hat in München im ersten halben Jahr gut performt, wurde danach aber links liegengelassen. Am Ende hat es für ihn nicht gelangt.
Mit Gnabry und Coman hat man noch zwei Spieler für diese Position. Gnabry wird bleiben, aber ich gehe davon aus, dass man noch einen Spieler abgeben möchte und gerne neuen, jungen, frischen Wind sehen würde.
Der FC Bayern sollte Kimmich dankbar sein
Joshua Kimmich hat gesagt, er habe, nachdem Wirtz nicht gekommen ist und Müller und Sane wegfallen, "das Gefühl, dass man etwas machen kann, dass etwas passieren könnte".
Max Eberl hat zwar Recht, wenn er sagt, der Spieler solle auf dem Platz Leistung bringen. Eberl macht seinen Job, aber trotzdem dürfen sich andere zu Wort melden.
Der FC Bayern sollte dankbar sein, dass Kimmich als Führungsspieler auch über den Tellerrand hinausschaut und darüber nachdenkt, wo man zulegen muss. Das zeichnet ihn aus und das macht ihn so wichtig für den Verein.
Eberl wurde vorgehalten, er müsse zunächst Einnahmen generieren und Gehälter einsparen, das ist jetzt geschehen. Der FC Bayern hat etwas Geld akquiriert, um wieder einkaufen zu gehen und einen Spieler zu holen, der höchstes Niveau hat. Man hat sich mit einigen Namen beschäftigt und sich ganz sicher auch schon unterhalten. Die Verhandlungen laufen.
Mit Leao würde Bayern zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen
Nico Williams Ablöse ist auf 60 bis 65 Millionen Euro festgeschrieben. Der Spanier ist ein extrem guter Spieler, aber die Bayern brauchen auch einen Backup für Kane, und das wäre Williams nicht.
Rafael Leao hingegen kann auf dem Flügel und im Sturmzentrum spielen. Man hört zwar, dass Leao kein einfacher Typ sein soll, aber jeder Künstler hat seine Macken und er ist ein Spieler, der Dynamik reinbringt.
Leao wäre auch ein Kane-Backup auf höchstem Niveau, aber nur dafür würde man ihn nicht bekommen. Weil er aber auch auf links spielen kann, würde der FC Bayern mit ihm zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
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