Fußball

St. Paulis Trainer Blessin nach torlosem Remis: „Für ein Derby zu wenig“

Vuskovic zu Beleidigungen gegenüber seinem Bruder: „Habe nichts Gutes über die Fans zu sagen“ - Polzin erklärt Glatzel von der Bank: „Bringt nichts, unnötige Schritte zu machen" - Irvine zum Abstiegskampf: „Brauchen mehr Zu-Null-Spiele und Tore“ - Hamann zum Derby: „Es war ein Überlebenskampf“

Unterföhring, 23.01.2026

Die wichtigsten Stimmen zum Freitagabendspiel des 19. Spieltags der Fußball-Bundesliga zwischen FC St. Pauli und Hamburger SV (0:0) bei Sky.  

 

Alexander Blessin (Trainer FC St. Pauli) ...

... zum Spiel: „Wir haben zu wenig getan, das muss ich ganz ehrlich sagen, vor allem in der ersten Halbzeit. Wir waren zu inaktiv, zu langsam in der Birne und sind nicht gut nachgerückt, die zweiten Bälle waren jeweils beim Gegner. Trotzdem standen wir stabil, haben nicht viel zugelassen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns besser reingekämpft. Wir haben dem Gegner aber durch eigene Einladungen noch mal zwei Konter präsentiert, das ist sehr ärgerlich. Wir waren nicht gut im Spiel. Für ein Derby ist das zu wenig.“

… zur angestrebten Punktzahl für den Klassenerhalt: „Es ist schwierig. Es ist eine Saison, wo du sagst, es reichen 30 Punkte, oder: Ich glaube, dieses Jahr wird es nicht reichen. Deswegen müssen wir dann schon anfangen, auch Punkte zu sammeln. Es wird auf jeden Fall schwer. Letzten Endes schaut man natürlich auf die eigenen Leistungen, auf die der Gegner, auf die Punkte, die sie sammeln. Da müssen wir gucken, dass wir erstmal unsere Punkte sammeln. Ich wähnte uns eigentlich schon auf einem guten Weg im Dezember.“

… zu einem möglichen Wechsel zur Eintracht Frankfurt: „Lasst uns über etwas anderes reden, über so etwas brauchen wir nicht reden.“

... zur Derby-Atmosphäre (vor dem Spiel): „Dann würde ich den Fußball nicht so lieben. Wen diese Atmosphäre nicht packt, der hat mit dem Fußball nicht so viel am Hut. Es ist eine geile Atmosphäre, das hat man in der ganzen Woche schon in der Stadt gemerkt.“

... zur Frage, ob er über einen Startelfeinsatz von Irvine nachgedacht habe (vor dem Spiel): „Er hat zweimal mittrainiert und gut reagiert. Dann überlegt man sich das immer. Ich bin froh, dass er im Kader ist und es die Möglichkeit gibt, ihn einzuwechseln. Wie wichtig er ist, ist klar – er ist unser Kapitän. Er wird das Anpeitschen vor dem Spiel machen.“

 

Jackson Irvine (FC St. Pauli) ...

… zum Spiel: „Es war ein sehr zähes Spiel. Besonders am Anfang wollten sich beide Teams keine Räume geben. Beide Teams waren defensiv stark und hatten nicht so viele Ideen mit dem Ball. Am Ende gab es ein paar Konter, wir hatten ein paar Schüsse aus der Entfernung. Insgesamt ist es ein faires Ergebnis.“

… zu seinem Comeback: „Ich bin überrascht. Es waren verrückte Wochen. Aber ich werde alles tun, um Teil dieses Teams zu sein, um den Leuten zu helfen, um dem Klub zu helfen. Ich bin froh, dass ich die Chance hatte, heute zu spielen.“

… zum Klassenerhalt: „Wir brauchen mehr Zu-Null-Spiele und mehr Tore, bessere Leistungen mit dem Ball. Unsere Basis ist defensiv meistens stark. Das haben wir in den letzten Spielen verpasst, aber heute waren wir defensiv wieder sehr stark. Am Ende ist es eine Frage der Balance.“

 

Andreas Bornemann (Geschäftsführer Sport FC St. Pauli) zum Spiel: „In der ersten Halbzeit fand ich uns gar nicht gut, viel zu zögerlich. Wir haben keine zweiten Bälle bekommen und nicht die Intensität, die uns auszeichnet. In der zweiten Halbzeit war es deutlich besser. Ich dachte, wir arbeiten uns ins Spiel rein, können vielleicht den Lucky Punch setzen. Nach einfachen Ballverlusten haben wir Glück, dass wir nicht noch einen Konter kriegen. In Summe passt das 0:0, aber zufrieden sind wir damit nicht.“

 

Oke Göttlich (Präsident FC St. Pauli) ...

... zur Bedeutung des Derbys (vor dem Spiel): „Das ist immer anders, logisch. Wir sind in einer Situation, wo viele Leute in dieser Stadt wirklich aufmerksam sind und sich dafür interessieren. Und ich sage es auch immer wieder: Das hier ist Fußball. Das ist hier nicht ManCity gegen PSG. Hier wird nicht so guter Fußball gespielt, aber die Leute interessiert es. Die Leute haben Bock auf dieses Spiel. Die Leute werden über dieses Spiel zwei, drei Wochen lang reden. Und das ist das, worum es im Fußball geht, und nicht um Planzahlen links nach rechts zu schieben oder wer geilen Fußball spielen kann. Hier geht es um Leidenschaft. Hier geht es um das Derby und darauf haben wir Bock.“

... zum möglichen Ausbau des Stadions (vor dem Spiel): „Das wird nicht in den nächsten drei Wochen passieren, sondern das ist eher ein Marathonlauf. Aber natürlich: Für uns ist die gläserne Decke dieses Stadion. Wenn wir uns wettbewerbsmäßig in dieser Bundesliga etablieren wollen, dann müssen wir die Nachfrage nach Tickets und auch die Einnahmesituation für den Verein stärken, damit wir dann auch tatsächlich wettbewerbsfähig sind. Wir sind Tabellensiebzehnter in der wirtschaftlichen Tabelle. Wir versuchen, 16. oder 15. zu werden.“

... zu Trainer Blessin (vor dem Spiel): „Wir sind mit Alexander Blessin mit einem tollen Trainer ausgestattet, der hier auch Spiele verlieren darf. Er hat sich aus dem Europapokal kommend für den FC St. Pauli entschieden. Er arbeitet mit unseren Spielern hervorragend. Das ist das, wo wir ansetzen wollen. Vereine wie der FC St. Pauli, die etwas kleiner sind, müssen über Kontinuität und strategische Arbeit einen Schritt nach dem anderen gehen.“

 

Merlin Polzin (Trainer Hamburger SV) ...

… zum Remis: „Derbys spielt man, um sie zu gewinnen. Das haben wir nicht geschafft, deswegen sind wir mit dem Endergebnis auf keinen Fall zufrieden. Wir wollten gerne allen HSVern diese drei Punkte schenken, weil wir wissen, dass das Spiel gerade in der Stadt doch mehr ist als ein normales Fußballspiel. Das hat man an der lautstarken Unterstützung unserer Kurve gemerkt. Aber wir haben auch gespürt, dass wir zwar viel Kontrolle haben, das Spiel dominieren, aber nicht wirklich zu Torchancen gekommen sind. Und wenn sie dann da waren, dann musst du die Dinger klarer ausspielen. Nichtsdestotrotz haben wir jetzt im zweiten Spiel hintereinander die Null gehalten, aber leider auch vorne. Da müssen wir weiter daran arbeiten.“

… zur Frage, wann er Glatzel von Beginn an bringen werde: „Es geht weniger um Bobby an sich, sondern um die Dinge, die wir für unser Spiel brauchen. Da versucht er, sich in die Mannschaft einzufügen. Wir wissen um seine Qualitäten, die haben wir schon gesehen. Die werden wir im weiteren Verlauf der Saison brauchen. Wichtig ist aber auch: Er war sehr, sehr lange raus, und jetzt müssen wir ihn langsam ranführen. Da bringt es nichts, unnötige Schritte zu machen.“

… zur Atmosphäre: „So viele nette Zurufe, wie ich heute gehört habe, habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gehört. Aber wir sind stabil aufgetreten. Ich bin absolut ein Derby-Fan. Wir haben das Derby gegen Bremen schon gewonnen, wollten heute unbedingt nachziehen. Jetzt haben wir noch eins gegen Werder, da freuen wir uns drauf.“

 

Luka Vuskovic (Hamburger SV) …

… zum Spiel: „Wir hatten unsere Chancen und haben gut verteidigt, aber wir müssen etwas schärfer im Angriff sein. Ein Punkt auswärts ist ein ordentliches Resultat, aber wir müssen weitermachen und die nächsten Spiele gewinnen.“

… zum Remis: „Die Enttäuschung ist da, weil wir drei Punkte verdient hatten. Das ganze Team ist enttäuscht, weil wir das Gefühl hatten, dass wir sie haben.“

… zur Frage, ob sein Bruder Mario im Stadion gewesen sei: „Nein, leider war er nicht hier. Er arbeitet in Kroatien daran, noch stärker zurückzukommen. Ich weiß nicht, was die Fans hier von St. Pauli denken, es ist sehr respektlos, meinen Bruder zu beleidigen. Ich habe nichts Gutes über die Fans zu sagen.“

… zum Klassenerhalt: „Wir haben alles, um in dieser Liga zu bleiben. Wir sind ein gutes Team, haben einen guten Trainer und einen guten Staff. Wir werden alles tun, um in dieser Liga zu bleiben. Ich denke, es wird kein Problem sein, wenn wir so weitermachen.“

 

Nicolai Remberg (Hamburger SV) ...

… zum Remis: „Fühlt sich irgendwie nicht gut an. Gerade nach der ersten Halbzeit, wo wir klare Spielkontrolle haben und uns vorne wieder nicht belohnen. Du nimmst einen Punkt mit, aber es fühlt sich gerade nicht an wie ein Punktgewinn.“

… zum VAR-Check nach seiner Gelben Karte: „Er hat gecheckt, ob das eine Rote ist. Das kann ich überhaupt nicht verstehen. Klar sieht es bei mir immer ein bisschen härter aus, aber ich bin ein fairer Spieler. Ich gehe nicht auf den Knöchel, gar nichts, und ich habe den Ball klar zwischen meinen Beinen. Dann sagt er: Wenn du den Ball nicht triffst, ist es Rot. Klar, wenn du im Tackling reingehst und den Ball nicht triffst, ist es Rot. Aber ich habe den Ball klar getroffen, deshalb finde ich es nervig.“

… zur Atmosphäre: „Schon enorm. Als wir aus dem Bus rausgekommen sind und dann hier auf den Platz gegangen sind, haben sie uns angeschrien und bepöbelt. Ich finde es geil, ich finde es richtig geil, weil es mir einen kleinen Push gibt. Und ich glaube, das ist bei vielen Spielern unserer Mannschaft auch so. Klar, die Stimmung hier ist enorm. Ich habe ja mit Kiel auch ein paar Mal hier gespielt.“

 

Claus Costa (Sportdirektor Hamburger SV) ...

... zum Umbruch im Klub (vor dem Spiel): „Wir haben im Sommer einen großen Umbruch gemacht und das hat Zeit, Vertrauen und Geduld gebraucht. Der Prozess, in dem wir uns befinden, greift.“

... zur Bedeutung des Spiels (vor dem Spiel): „Es ist ein sehr emotionales Spiel, klar. Es ist auch ein Schlüsselspiel im Abstiegskampf. Grundsätzlich ist jedes Spiel in der Bundesliga so eng und so hart umkämpft, dass eigentlich jedes Spiel ein Schlüsselspiel ist. Jedes Spiel ist im Endeffekt richtungsweisend. Aber natürlich ist hier eine besondere Brisanz und es knistert.“

 

Sky Experte Didi Hamann …

… zum Spiel: „Es gab wenige Torchancen. Der HSV war in der ersten Halbzeit überlegen, St. Pauli war in der zweiten Hälfte etwas besser. Beide haben sich unheimlich schwergetan, Torchancen herauszuarbeiten. Es war ein Überlebenskampf, das hat man gemerkt.“

… zum HSV unter Polzin: „Er macht das wunderbar. Man darf nicht vergessen: Es waren renommierte Trainer in Hamburg, die hatten den Auftrag, aufzusteigen. Geschafft hat das der, von dem es keiner erwartet hat. Jetzt ist er in der ersten Liga, sie haben jetzt 18 Punkte, sind weiter fünf vor dem Abstiegsplatz, fünf vor St. Pauli, und haben alle Chancen, in der Liga zu bleiben. Wir wissen aus den letzten Jahren, wie schwer es für Aufsteiger war, in der Liga zu bleiben. Sie haben eine Riesenchance. Ich glaube auch, dass sie es packen.“

 

 

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