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Lothar Matthäus über Jürgen Klopp, DFB, ter Stegen, Adeyemi und WM

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Lothar Matthäus schreibt in seiner Kolumne über Jürgen Klopp und die Gespräche mit dessen bisherigem Arbeitgeber. Der Sky Sport Experte meint, dass die Nationalmannschaft keinen Totalumbruch braucht und setzt sich für Marc-Andre ter Stegen ein.

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Unterföhring, 14.07.2026

Matthäus sieht bei Klopp eine ähnliche Stärke wie bei Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps, lobt die Entwicklung von Kylian Mbappe und tippt den Ausgang der beiden WM-Halbfinalspiele.

Jürgen Klopp wird der nächste Bundestrainer sein, alles andere wäre eine Überraschung. Was die Gespräche mit Klopps bisherigem Arbeitgeber betrifft, ist der Deutsche Fußball-Bund gefragt, eine vernünftige Lösung zu finden, sodass auch die Fans im Endeffekt hinter dieser Entscheidung stehen. Ich habe selbst für Red Bull gearbeitet und weiß, wie die Öffentlichkeit denkt. Teile der Fans lehnen den Einfluss von Konzernen wie Red Bull, VW, Bayer oder SAP im Fußball ab. Man muss die Fans einbeziehen, aber man muss nicht alles machen, was sie gerne hätten. Es ist keine einfache Aufgabe für den DFB, alle zufriedenzustellen. Man muss einen vertrauensvollen Weg finden, damit der Aufschrei so klein wie möglich sein wird.


Der Fußball hat von Red Bull profitiert

Meiner Meinung nach schadet es dem Fußball nicht, wenn Konzerne sich im Fußball engagieren, im Gegenteil. Der Fußball hat von Red Bull profitiert, nicht nur in Leipzig, sondern eine ganze Region. Ohne RB wäre Union der einzige Ost-Verein in der Bundesliga. Was die Nationalmannschaft betrifft, ärgere ich mich immer noch darüber, dass die WM vergeigt wurde. Das, wie bei uns 1994, die Möglichkeit verpasst wurde, sportlich wesentlich besser abzuschneiden. Wenn wir das Achtelfinale erreicht hätten, wären wir gegen Frankreich Außenseiter gewesen, aber wir brauchen uns doch vor Mannschaften wie Belgien oder Marokko nicht zu verstecken mit den Möglichkeiten und den Spielern, die wir haben. Doch leider hat unser ehemaliger Trainer einige Dinge falsch gemacht.


Spieler wie Adeyemi können dem DFB-Team helfen

Was den Kader betrifft, bin ich der Meinung, dass wir keinen Totalumbruch brauchen. Ich finde, dass wir nicht nur auf 19- oder 20-Jährige setzen sollten. Es gibt Spieler, die seit längerer Zeit Erfahrung gesammelt haben und die dem DFB-Team helfen können. Dazu gehören auch Karim Adeyemi mit seinen 24 Jahren und Serge Gnabry, der am Dienstag seinen 31. Geburtstag feiert. Wenn Adeyemi in Barcelona den Fußball in den Mittelpunkt stellt, dann ist er mit seiner Geschwindigkeit und seinen technischen und Abschluss-Fähigkeiten auch auf jeden Fall wieder ein Kandidat für die Nationalmannschaft, ähnlich wie Gnabry, der die WM verletzungsbedingt verpasst hat. Abgesehen von der Partie gegen die Elfenbeinküste, als Undav und Leweling für frischen Wind gesorgt haben, hatten wir häufig Defizite in den Zweikämpfen. Ein Adeyemi weiß sich durchzusetzen, ein Gnabry auch.


Auch ter Stegen sollte nach wie vor ein Thema sein

Im Tor sollten Oliver Baumann und auch Marc-Andre ter Stegennach wie vor ein Thema sein, vor allem, weil wir ansonsten sehr viele unerfahrene Spieler im Kader haben. Es geht nicht nach dem Alter. Wenn ter Stegen (34) und Baumann (36) ihre Leistungen bringen, könnten sie die nächste WM spielen. Ter Stegen steht vor einem Wechsel zu Ajax, einem Top-Verein in den Niederlanden, zwar keine Top-5-Liga wie auch die Türkei, wo Alexander Nübel spielt. Ich weiß nicht, welchen Maßstab Klopp anlegt, aber wenn du bei Klubs wie Ajax oder Besiktas spielst, bist du nicht weit entfernt von den Top-Ligen. Ter Stegen bringt viel Erfahrung, viel Qualität, viele Titel und ein hohes internationales Standing mit. Wenn er von weiteren Verletzungen verschont bleibt und stabile Leistungen bringt, gehört er ganz sicher nach wie vor zum Kreis der Spieler, die für die Nationalmannschaft in Betracht kommen. In vier Jahren ist er 38, Manuel Neuer hat mit 40 noch eine WM gespielt.


Mbappe ist unter Deschamps ein Leader geworden

Mit Frankreich, Argentinien, Spanien und England stehen die Top 4 der FIFA-Weltrangliste im Halbfinale. Am Beispiel von Frankreichs Superstar Kylian Mbappe sieht man, was ein Trainer aus einem Spieler machen kann. Unter Didier Deschamps ist Mbappe zu einem Leader geworden. Er nimmt die Mannschaft mit und führt sie an, auf und neben dem Platz. Er macht auch mal zwei Schritte mit nach hinten und er gibt gute Interviews. Mbappe ist erwachsen geworden. Vielleicht hat er daraus gelernt, dass er in Madrid nicht so wie eine Primadonna auftreten konnte, wie er es zuvor teilweise in Paris getan hatte.


Was Deschamps macht, ist auch die Stärke von Klopp

Vor zwei Jahren hat Deschamps ihn noch nicht so umarmt wie jetzt. Jetzt sehen sich beide in die Augen und schauen nicht auf den Boden. Diese Kommunikation, nicht nur nach außen, sondern nach innen und mit ganzem Herzen ist auch die Stärke von Jürgen Klopp. Es ist die große Kunst eines Trainers, den Spielern ihre Rollen und Aufgaben in Gesprächen genau zu vermitteln. Deschamps hat alles im Griff, auch die Rollen von Ousmane Dembele und Michael Olise. Mbappe, Dembele und Olise unter einen Hut zu bringen, ist eigentlich keine Kunst, sondern eine Sache der Kommunikation.


Bin gespannt, ob Spanien dem Offensivdruck standhält

Spanien hat bei der WM nicht die überzeugenden Leistungen wie bei der EURO 24 gezeigt. Die Spanier haben ihren Spielstil geändert, sind nicht mehr so dominant. Wenn sie den Druck der Franzosen spüren, bin ich gespannt, ob die gut organisierte Defensive die Qualität hat, um der besten Offensive der WM standzuhalten. Mein Tipp: 2:1 für Frankreich


Der Erfolg gibt Tuchel recht

Wenn Thomas Tuchel mit England gegen Norwegen ausgeschieden wäre, stünde sein Name wahrscheinlich auf der Liste der Trainer, die nach der WM ihren Hut nehmen müssen, aber der Erfolg gibt ihm recht. Englands Unterschiedsspieler funktionieren, allen voran Jude Bellingham und Harry Kane sowie Declan Rice, der für defensive Stabilität sorgt. Alle drei funktionieren, aber die Mannschaft hat bisher nicht so überragt wie die Franzosen, die es offensiv und defensiv am besten gemacht haben.


Das sind die Gründe für Argentiniens Erfolg

Aber alle vier Halbfinalisten sind in der Lage, Weltmeister zu werden. Wie England hat auch Argentinien nach Rückständen immer wieder Qualität gezeigt und in den Verlängerungen Nervenstärke bewiesen. Diese Mentalität, die Qualität von Spielern wie Lionel Messi und die Unterstützung der Fans sind die Faktoren für Argentiniens Erfolg. Die Begeisterung schwappt vom Platz auf die Tribüne und zurück. So eine Begeisterung gab es in Deutschland während der EM 2024, aber nicht bei den drei letzten WM-Turnieren. Mein Tipp: Argentinien gewinnt 6:5 nach Elfmeterschießen


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