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Lothar Matthäus Kolumne über Nationalmannschaft, WM und Nagelsmann

Lothar Matthäus

Lothar Matthäus schreibt in seiner Kolumne, warum ihn der klare Sieg gegen die Slowakei nicht überrascht hat und warum Deutschland für ihn zu den Titelkandidaten bei der WM gehört.

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Unterföhring, 19.11.2025

Der Sky Sport Experte sieht das DFB-Team für die Titelkämpfe im kommenden Jahr personell gut aufgestellt und erklärt, warum niemand einen Freifahrtschein hat.


Deutschland hat sich durch ein überzeugendes 6:0 gegen die Slowakei für die Weltmeisterschaft 2026 qualifiziert.


Für mich war die Leistung keine Überraschung, denn ich weiß um die Qualität unserer Spieler. Die meisten machen in ihren Vereinen den Unterschied aus, kämpfen um Meisterschaften, Pokale und um die Champions-League-Plätze.


Die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann hat ein anderes Gesicht gezeigt, weil sie viele Dinge besser gemacht hat als beim 2:0 in Luxemburg.


Die Spieler haben gemerkt, dass sie in der Verantwortung stehen und als Mannschaft ihre Leistung abrufen müssen. Vielleicht haben sie sich auch mal ohne den Trainer zusammengesetzt und gesagt: "So kann es nicht weitergehen!" Das haben wir früher auch so gemacht: die Dinge besprechen, sich fokussieren und konzentrieren, sich gegenseitig unterstützen.


An solchen Spielen wird die Mannschaft gemessen


Am Montagabend waren alle von Anfang an hungrig und leidenschaftlich. Sie haben gezeigt, dass sie es können, und jetzt werden sie an solchen Spielen gemessen.


Für mich war das 6:0 ein versöhnlicher Abschluss nach einem insgesamt zufriedenstellenden Jahr. Beim 0:2 im Hinspiel in der Slowakei hat man unterirdisch gespielt. Die zweite Halbzeit zu Hause gegen Nordirland war in Ordnung, in Nordirland hat man kämpferisch überzeugt, und das 4:0 gegen Luxemburg war eine Pflichtaufgabe.


Auf Augenhöhe mit den großen Nationen


Bei allem Respekt vor diesen Gegnern, Deutschland will sich mit den Besten messen, und das sind die anderen Gruppensieger wie England, Portugal oder Frankreich.


Wenn wir das abrufen, was wir in Leipzig gezeigt haben, sind wir auf Augenhöhe mit diesen Mannschaften. Das hat man im Sommer gesehen. Bei den Niederlagen in der Nations League gegen Portugal und Frankreich war Deutschland nicht schlechter als die Gegner.


Wenn die deutsche Mannschaft dieselbe Einstellung und Leidenschaft zeigt und so miteinander spielt wie gegen die Slowakei, braucht sie vor niemandem Angst zu haben.



Deutschland ist nicht klein


Man darf sich nicht kleiner machen, als man ist. Deutschland ist nicht klein. Ich habe immer gesagt, dass unsere Mannschaft zum erweiterten Favoritenkreis bei der WM gehört, auch wenn sie mal schlecht performt hat. Bei uns war es früher in der WM-Qualifikation auch ab und zu holprig.


Bei der Weltmeisterschaft steht das deutsche Team vielleicht sogar weniger unter Druck. Die Mannschaft wird im kommenden Jahr vor allem noch konzentrierter zu Werke gehen, weil dann die ganze Welt zuschaut.


Das ist das Schöne für Nagelsmann


Der Kader ist mit Blick auf die WM auch in der Breite sehr gut aufgestellt, Leistungsträger wie Jamal Musiala, Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Marc-Andre ter Stegen arbeiten an ihrer Rückkehr. Das heißt aber nicht, dass sie auch gleich spielen werden.


Rüdiger muss zunächst einmal fit werden, genau wie ter Stegen. Oliver Baumann wird vorerst weiter im Tor stehen und dann schauen wir mal, wie es weitergeht.


Spielt Musiala oder Gnabry? Spielt Havertz oder Woltemade? Das Schöne für Julian Nagelsmann ist, dass er im nächsten Jahr eine große Auswahl hat. Für einen Trainer ist es das Wunderbarste, wenn er Qualität für Qualität in die Mannschaft bringen kann.


Niemand hat einen Freifahrtschein


So wie bei unserer Weltmeistermannschaft 1990: Hat Häßler nicht gespielt, kam Möller. Hat Littbarski nicht gespielt, kam Bein. Hat Berthold nicht gespielt, kam Reuter für ihn.


Auch in der aktuellen Nationalmannschaft gibt es kaum einen, der nicht ersetzbar ist, niemand hat einen Freifahrtschein. Dadurch wird die Konzentration bis zur WM hochgehalten und jeder wird Gas geben, um den Trainer zu überzeugen.


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